Nach Produktionsstopp und Millionenverlusten meldet sich der bosnische Munitionshersteller Igman eindrucksvoll zurück und erobert seinen Platz unter den Top-Exporteuren des Landes.
Erfolgreiche Rückkehr
Das Unternehmen Igman aus Konjic (Bosnien und Herzegowina) hat sich wieder unter den zehn größten Exporteuren Bosniens etabliert und nimmt erneut die Spitzenposition in der heimischen Rüstungsindustrie ein. Wie das Portal BiznisInfo.ba berichtet, deutet diese Entwicklung auf eine deutliche Stabilisierung des Unternehmens hin. Der genaue Exportwert ist zwar noch nicht bekannt, doch allein die Rückkehr in die Top-Ten-Liste, von der Igman zuvor abgerutscht war, signalisiert eine positive Geschäftsentwicklung.
Im vergangenen Jahr durchlebte der Munitionshersteller erhebliche Turbulenzen. Anfang September 2024 musste die Produktion vorübergehend eingestellt werden, nachdem Serbien die Ausfuhr von Schießpulver untersagt hatte. Erst nach Intervention des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und der Wiedererteilung von Exportgenehmigungen für den einzigen Zulieferer – Barutana Lucani – konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.
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Finanzielle Herausforderungen
Die Schwierigkeiten beschränkten sich jedoch nicht auf Lieferengpässe. In der ersten Jahreshälfte 2024 verzeichnete Igman einen Verlust von 19,8 Millionen Konvertiblen Mark (KM), während die Einnahmen von 89,3 auf nur 65 Millionen KM einbrachen. Das Unternehmen führte diese Entwicklung hauptsächlich auf einen bereits 2022 abgeschlossenen Vertrag zurück, dessen Umsetzung erst 2024 begann – allerdings unter völlig veränderten Marktbedingungen.
Inflation und gestiegene Rohstoffkosten verursachten einen direkten Verlust von mindestens 12,5 Millionen KM. Zusätzlich belasteten Währungsverluste durch den schwächelnden US-Dollar das Unternehmen mit weiteren 5,5 Millionen KM in den ersten sechs Monaten des Jahres.
Zur Jahresmitte kündigte die Unternehmensführung umfassende Stabilisierungsmaßnahmen an. Inwieweit diese bereits Früchte tragen, wird erst der für das Frühjahr erwartete Jahresfinanzbericht zeigen. Igman hat zudem eine unabhängige Tiefenanalyse der Geschäftstätigkeit der vergangenen vier Jahre in Auftrag gegeben, um weitere Verbesserungspotenziale zu identifizieren.
Strategische Neuausrichtung
„Ein vollständiger Reset der Managementmethoden, der Produktion und der Kostenplanung ist notwendig“, teilte das Unternehmen mit.
Angekündigt wurden tiefgreifende Veränderungen im Management mit Schwerpunkt auf einer Neustrukturierung der Arbeitsplätze, verbesserter Produktionskontrolle und effizienterer Nutzung bestehender Kapazitäten. Parallel dazu arbeitet Igman an der Erschließung neuer Märkte in Asien und Afrika, um seine Vertriebskanäle zu diversifizieren und die Auswirkungen amerikanischer Zölle abzufedern.
Besondere Anstrengungen gelten auch der Stärkung bestehender Exportmärkte, insbesondere in den USA, der Europäischen Union, Saudi-Arabien und dem Irak.
Die Rückkehr unter die zehn größten Exporteure kann bereits jetzt als erstes deutliches Erfolgssignal des Unternehmens in den vergangenen sechs Monaten gewertet werden. Im Gegensatz dazu ist der Konkurrent Pretis von der Liste der größten bosnischen Exporteure für 2025 verschwunden. Pretis hatte laut BiznisInfo.ba Mitte letzten Jahres noch den siebten Platz unter allen Unternehmen bzw. die Spitzenposition in der Rüstungsindustrie inne.
Das Unternehmen veröffentlichte jedoch keinen Halbjahresfinanzbericht für 2025, was Fragen zur Transparenz aufwarf und zur Einstufung der Pretis-Aktien als riskantes Investment führte – mit entsprechenden Kursverlusten in der zweiten Jahreshälfte.
Igman hat offenbar die Marktführerschaft in der bosnischen Rüstungsindustrie übernommen, zumindest was den Gesamtexport betrifft.