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Interview

waff stärkt Wien: Chancen für Frauen und junge Arbeitnehmer

waff stärkt Wien: Chancen für Frauen und junge Arbeitnehmer
Foto: Igor Ripak
5 Min. Lesezeit |

Der Wiener Arbeitsmarkt zeigt sich trotz Rezession robust. Doch gerade junge Menschen und Frauen brauchen gezielte Unterstützung. Im Gespräch mit KOSMO erklärt waff-Geschäftsführer Marko Miloradović, welche Initiativen jetzt neue Perspektiven eröffnen.

KOSMO: Herr Miloradović, wie beurteilen Sie aktuell die Entwicklungen am Wiener Arbeitsmarkt, speziell in Hinblick auf junge Menschen und Frauen?
Miloradović: Der Arbeitsmarkt in Wien ist sehr robust, auch wenn wir uns im dritten Jahr einer Rezession befinden. Wir haben ein stabiles, niedriges Wachstum erreicht und für heuer ist eine leichte Steigerung des Bruttoregionalprodukts prognostiziert. Mit rund 933.000 Beschäftigten liegen wir aktuell auf einem historischen Höchststand. Gleichzeitig gibt es aber auch 155.000 Personen in Arbeitslosigkeit oder Schulung. Bei jungen Menschen und Frauen sehen wir unterschiedliche Entwicklungen: Junge sind oft die ersten, die im Fall von Kündigungswellen betroffen sind. Frauen wiederum haben in Wien bessere Chancen als anderswo – wir haben eine höhere Frauenbeschäftigungsquote als im Durchschnitt Österreichs und die niedrigste Teilzeitquote. Das liegt vor allem an der guten Infrastruktur wie etwa beitragsfreien Kindergärten, die Frauen Vollzeitarbeit ermöglichen. Insgesamt also: robust mit Perspektive nach oben.

Foto: Igor Ripak

Mit der „Joboffensive für Jugendliche“ setzt der waff ein starkes Signal. Was sind die zentralen Maßnahmen und welches Ziel möchten Sie damit erreichen?
Miloradović: Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren brauchen eine faire Chance am Arbeitsmarkt. Mit der Joboffensive wollen wir sie direkt in Beschäftigung bringen – es handelt sich also nicht um eine Ausbildungsschiene. Gemeinsam mit dem AMS suchen wir passende Unternehmen und geben vier Monate lang Zuschüsse für Lohn- und Lohnnebenkosten. Das stabilisiert Betriebe und gibt Jugendlichen eine Perspektive. Unser Vorbild ist die erfolgreiche „Joboffensive 50plus“: Dort haben über 80 Prozent der Vermittelten ein Jahr nach Förderende eine Beschäftigung. Auf diesem Modell bauen wir auf und wollen 1.000 Jugendlichen eine Chance geben.

Die „Frauenstiftung Wien“ ist ein neues Angebot. Welche konkreten Chancen eröffnet sie Frauen am Arbeitsmarkt – und wie unterscheidet sie sich von bisherigen Förderungen?
Miloradović: Das Besondere an der Frauenstiftung ist ihre Breite. Während andere Stiftungen meist branchenspezifisch sind – etwa im Pflege- oder IT-Bereich – können Frauen hier unterschiedliche Wege einschlagen: vom Wiedereinstieg nach der Babypause über technische Ausbildungen bis hin zum Nachholen von Abschlüssen. Frauen ohne Berufsausbildung bekommen die Möglichkeit, sich neu zu orientieren, begleitet von Beginn bis Ende der Ausbildung. Das ist ein Experiment, aber wir sind überzeugt, dass es Frauen nachhaltig stärkt.

Foto: Igor Ripak

Viele Wiener:innen möchten sich beruflich weiterentwickeln. Welche Förderungen und Weiterbildungsmöglichkeiten stehen aktuell für bereits Beschäftigte zur Verfügung?
Miloradović: Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer in Wien kann ein Bildungskonto beim waff nutzen. Für Kurse gibt es 500 Euro, für das Nachholen von Abschlüssen wie Lehre oder Matura bis zu 5.000 Euro. Zusätzlich fördern wir gezielt Weiterbildungen in Mangelberufen wie Pflege, Elementarpädagogik oder technische Berufe. Frauen, die in MINT-Bereiche gehen wollen, können Stipendien von bis zu 12.000 Euro erhalten. Wir möchten damit Menschen in besser bezahlte Jobs bringen und gleichzeitig den Fachkräftebedarf decken.
In Zeiten von KI, Automatisierung und neuen Berufsbildern: Wie unterstützt der waff Arbeitnehmer:innen dabei, zukunftsfit zu bleiben?
Wir befinden uns in einer Übergangsphase: Die alte Arbeitswelt verändert sich, die neue ist noch nicht klar definiert. Wir fördern daher ein breites Spektrum – von Coding-Kursen bis hin zu praxisnahen IT-Schulungen. Damit rüsten wir Beschäftigte für die digitale Transformation aus. Zwar wissen wir noch nicht genau, welche Berufe langfristig entstehen oder verschwinden, aber Wien braucht hier einen starken Partner. Diese Rolle übernehmen wir.

„Wir unterstützen alle Wienerinnen und Wiener, unabhängig von Herkunft oder Bildung.“

Wien ist vielfältig – wie stellen Sie sicher, dass die Angebote des waff auch tatsächlich bei allen Bevölkerungsgruppen ankommen, etwa bei Migrant:innen oder Menschen mit geringerer Bildung?
Miloradović: Wir unterstützen alle Wienerinnen und Wiener, unabhängig von Herkunft oder Bildung. Über 40.000 Personen nehmen jährlich unsere Angebote in Anspruch, mehr als die Hälfte davon sind Frauen und zwei Drittel mit Migrationshintergrund. Unsere 300 Mitarbeiter:innen beraten auf Deutsch und in rund 20 weiteren Sprachen. So stellen wir sicher, dass wir wirklich alle erreichen.

Wohin entwickelt sich der waff in den nächsten Jahren? Gibt es bereits Pläne für weitere Initiativen, die den Wiener Arbeitsmarkt langfristig stärken sollen?
Miloradović: Der waff ist ein einzigartiges Instrument, das es in dieser Form in keinem anderen Bundesland gibt. Unser Ziel ist, Menschen in Mangelberufe zu bringen und so die hohe Lebensqualität in Wien zu sichern. Gute Infrastruktur, sichere Lebensbedingungen und eine starke Arbeitsmarktpolitik machen die Stadt attraktiv für internationale Fachkräfte und Investor:innen. In den kommenden Jahren werden wir die Transformation durch Digitalisierung und neue Berufsbilder aktiv begleiten. Es gibt also noch viel Arbeit – und viele neue Initiativen vom waff.

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KO KOSMO-Redaktion
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