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REPORTAGE

Wahre Heldinnen: Alleinerziehende Mütter – Dijana Lazić

FOTO: iStockphoto/Radule Bozinovic

AUFOPFERND. Für sie gibt es keine Hindernisse, wenn sie kämpfen, keine Müdigkeit, wenn sie arbeiten, kein Maß, wenn sie sich einsetzen, und keine Macht, die sie stoppen kann. Sie tragen die doppelte Last elterlicher Pflichten auf ihren Schultern.

In dieser Story wollen wir die MUTTER nicht definieren, denn das haben Künstler, Wissenschaftler und Soziologen bereits getan. Wir wollen Frauen vorstellen, die mit ihren Kindern allein leben, mit ihnen alle Kinderkrankheiten und die erste Liebe durchmachen, Enttäuschungen überwinden, den Stoff aller Schulklassen lernen und dabei regelmäßig in die Arbeit geben und die Rechnungen bezahlen. Sie haben keine Zeit für Urlaub und keinen Anspruch auf Urlaub und heilen die offenen Brüche ihrer eigenen Seele mit der Liebe und den Erfolgen ihrer Kinder. Dies sind ihre Berichte.

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AUFOPFERND. Für sie gibt es keine Hindernisse, wenn sie kämpfen, keine Müdigkeit, wenn sie arbeiten, kein Maß, wenn sie sich einsetzen, und keine Macht, die sie stoppen kann. Sie tragen die doppelte Last elterlicher Pflichten auf ihren Schultern.

 

Dijana Lazić (46), Pflegerin
„Ich habe mich als Frau bewusst geopfert.“

Ihr Weg in die Mutterschaft war lang und schmerzhaft und ihre Söhne (15 und 16) sind in jedem ihrer Gedanken gegenwärtig, sie sind der Grund jedes Lachens, aber auch jedes Kummers, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Von ihrem Vater ließ sie sich vor sieben Jahren scheiden, aber schon während ihrer Ehe war die Sorge für die Kinder fast immer ihre Aufgabe. Nach der Scheidung lernte sie einen neuen Mann kennen und glaubte, dass dies ein neuer Anfang sein könnte. Sie heirateten und Dijana zog vor fünf Jahren mit ihren Söhnen von Sarajevo nach Wien. „Meine zweite Ehe endete schnell, denn es ist schwer, fremde Kinder und die Verpflichtung ihnen gegenüber anzuerkennen. Und ich bin eine zu nachgiebige und empfindliche Mutter, ich wäge jedes Wort ab, das ich an meine Kinder richte. Manchmal übertreibe ich, aber ich kann mich nicht ändern, wenn es um sie geht. Ich weiß, dass ich manchmal sicher weniger nachgiebig wäre, wenn die Kinder einen Vater an ihrer Seite hätten. Seit ihrer frühen Kindheit bemühe ich mich, diese Lücke in ihrem Leben zu füllen und jedes ihrer Probleme auf mich zu nehmen.

Es war schrecklich für mich, wenn sie Kinderkrankheiten durchmachten, wenn sie aufgeschlagene Knie hatten oder wenn sie wegen irgendetwas traurig waren. Ich bin alleine für meine Söhne verantwortlich und das nehme ich sehr ernst. Diese große Verantwortung hat mich stärker gemacht und Ängste wehre ich ab, damit sie mich nicht lähmen. Meine Kinder brauchen eine gesunde und starke Mutter, die ihnen immer Rückenwind gibt und mit ihnen die guten und die schlechten Momente teilt, die sie im Aufwachsen durchmachen. Jeder Zusammenbruch wäre für mich Luxus, denn ich brauche doppelte Kraft. Natürlich ist auch jede Freude über die Erfolge der Kinder doppelt, denn ich erlebe sie alleine. Es tut mir leid, dass meine Kinder niemals eine komplette Familie hatten. Mein älterer Sohn hat in Sarajevo Fußball gespielt und war sehr talentiert. Ich war sehr traurig, als seine Teamkollegen bei den Matches von ihren Vätern angefeuert wurden, aber mein Sohn nur mich hatte. Ich litt nicht unter meinem, sondern unter seinem Kummer und ich wusste, dass er traurig war. Jetzt sind meine Söhne in einem sensiblen Alter. Vielleicht kämen sie leichter durch diese Phase, wenn sie eine männliche Autorität neben sich hätten, aber ich bemühe mich doch, mit ihnen möglichst viel zu reden, alles zu verstehen, was passiert, und nicht streng oder rigoros zu sein, wenn sie eine Strafe verdient haben. Sie sind gute Kinder und fordern nicht mehr von mir als ihre Altersgenossen.

FOTO: Radule Bozinovic

Ich bemühe mich, ihnen alles zu bieten, damit sie sich in der Gesellschaft nicht minderwertig fühlen. Ihr Großvater väterlicherseits kümmert sich um seine Enkel und hilft mir finanziell, was mir viel bedeutet. In der Schule zeigt mein älterer Sohn hervorragende Leistungen, während es beim jüngeren etwas langsamer geht, denn er ist nicht selbständig genug. Er fügt sich nicht so ein, wie ich das erwartet hatte, darum muss ich mich bei ihm mehr engagieren. Aber das Schlimmste haben wir hinter uns. Bisher habe ich sie vor Fehlern bewahrt, jetzt werden sie bald erwachsen und alles wird leichter. Ich habe mich als Frau bewusst geopfert, um nur Mutter zu sein. Das bedaure ich auch nicht, denn das war die einzige Möglichkeit. Die Kinder sind sich meines Verzichts bewusst, es tut ihnen leid, aber ich kann meine Aufgaben mit niemandem teilen. Ich habe dieses Leben akzeptiert, ich habe kein anderes. Es stimmt, manchmal bewundere ich Frauen, die es geschafft haben, sich auch als alleinerziehende Mütter ein Privatleben aufzubauen und aus voller Kraft zu leben. Ich bin in dieser Hinsicht wahrscheinlich feige. Am wichtigsten ist mir, dass die Kinder die Schule abschließen und dass sie gesund und glücklich sind, denn dann bin ich es auch.

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