Vier Ziffern, seit Jahrzehnten Standard – doch hinter der schlichten Geldautomaten-PIN steckt mehr, als die meisten ahnen.
Wer seine Online-Konten schützen will, folgt heute klaren Empfehlungen: möglichst lange Passwörter wählen, Multi-Faktor-Authentifizierung aktivieren und, wo immer möglich, auf Passkeys umsteigen, die klassische Passwörter ersetzen. Vor diesem Hintergrund wirkt die vierstellige PIN am Geldautomaten geradezu veraltet. Zwar ist die kurze Zahlenkombination nach wie vor der gängige Standard, doch Smartphone-Hersteller empfehlen ihren Nutzern schon seit Jahren, auf längere PINs oder vollständige numerische Passwörter zu setzen. Im Alltag übernehmen biometrische Methoden wie Face-ID ohnehin zunehmend die Entsperrfunktion.
PIN-Geschichte
Die Geschichte der vierstelligen PIN reicht bis in die späten 1960er Jahre zurück, als in Großbritannien die ersten Geldautomaten in Betrieb gingen. Während manche Geräte bereits damals sechsstellige Codes verwendeten, setzten andere auf vier Stellen. Der Überlieferung nach soll die Ehefrau des leitenden Entwicklers John Shepherd-Barron ihrem Mann mitgeteilt haben, dass sie sich die kürzere Variante besser einprägen könne.
Seither gilt die vierstellige PIN als Standard. Dabei würde die internationale Norm ISO 9564-1 durchaus mehr Spielraum lassen: Sie sieht Längen zwischen vier und zwölf Stellen vor. In der Praxis sind an Geldautomaten jedoch höchstens sechs Stellen üblich. Einzelne Banken in Deutschland räumen ihren Kunden bereits die Möglichkeit ein, ihre PIN auf sechs Ziffern zu erweitern.
Als Grundregel gilt: Mit jeder zusätzlichen Stelle steigt die Anzahl möglicher Kombinationen und damit das Sicherheitsniveau erheblich. Pro Stelle stehen die Ziffern null bis neun zur Verfügung. Eine vierstellige PIN ergibt damit 10.000 mögliche Kombinationen, eine sechsstellige bereits eine Million.
Dennoch ist die schiere Kombinationsanzahl am Geldautomaten nicht der entscheidende Sicherheitsfaktor. Denn neben der PIN ist stets auch die physische Bankkarte erforderlich, womit bereits zwei voneinander unabhängige Faktoren für eine Abhebung notwendig sind. Nach drei Fehleingaben wird die Karte gesperrt und häufig auch vom Automaten einbehalten. Zusätzlich sind Geldautomaten in der Regel videoüberwacht.
Reisen & Verhalten
Wer viel reist, sollte die unterschiedlichen PIN-Längen im Blick behalten. Wer eine vierstellige PIN besitzt, sollte stets nur diese eingeben. Lässt ein Automat im Ausland ausschließlich kurze PINs zu und die eigene ist sechsstellig, kann es in manchen Fällen funktionieren, nur die ersten vier Ziffern einzugeben. Im Regelfall sollten moderne Geldautomaten jedoch in der Lage sein, verschiedene PIN-Längen korrekt zu verarbeiten.
Letztlich ist die Länge der PIN für die Sicherheit am Automaten weniger ausschlaggebend als das eigene Verhalten vor Ort. Wer die Eingabe konsequent verdeckt, ausreichend Abstand zu anderen Personen hält, sich nicht ablenken lässt, unbekannte Aufsätze oder verdächtige Vorrichtungen am Gerät sofort meldet und seine Kontoauszüge regelmäßig kontrolliert, ist bereits gut geschützt.
Die PIN sollte ausschließlich im Gedächtnis gespeichert werden. Einen handschriftlichen Notizzettel im Portemonnaie aufzubewahren ist unter keinen Umständen ratsam. Eine sichere Alternative bietet ein Passwortmanager: Dort lässt sich die PIN verschlüsselt ablegen und kann bei Bedarf jederzeit nachgeschlagen werden.