Millionen Straßenhunde, kaum Plätze, keine Transparenz – die Türkei kämpft mit den Folgen einer beispiellosen Massenaktion.
Die türkische Regierung hat erklärt, rund 99 Prozent der im Land lebenden Straßenhunde eingefangen zu haben. Die Ankündigung hat eine breite Debatte über das Schicksal der betroffenen Tiere ausgelöst. Nihal Kasa, Vorsitzende der Tierschutzorganisation Hayfed, kritisiert die Zustände in den Unterbringungseinrichtungen scharf: Die Vierbeiner seien „Sonne und Kälte schutzlos ausgeliefert.“ Ausreichender Schutz vor Wetterextremen fehle in vielen Tierheimen.
Fehlende Transparenz
Innenminister Mustafa Ciftci informierte über den Stand der Maßnahmen, machte jedoch keine Angaben darüber, wie sich die eingefangenen Tiere auf Heime, Vermittlungen oder Einschläferungen verteilen. Bis April 2026 standen insgesamt rund 459.000 Plätze in Tierheimen und natürlichen Lebensräumen zur Verfügung. Die Regierung hatte die Zahl der Straßenhunde im Jahr 2024 zunächst mit etwa vier Millionen angegeben, diese Schätzung später jedoch auf 1,2 Millionen nach unten korrigiert.
Inhalt 1:
Seit rund zwei Jahren sind Kommunen gesetzlich verpflichtet, Straßentiere einzufangen und unterzubringen. Bis April 2026 konnten 97.000 Tiere an neue Besitzer vermittelt werden. Die Tötung von Straßenhunden ist in Fällen von Krankheit oder nachgewiesener Aggressivität erlaubt.
Streit um Methoden
Inhalt 2:
Die Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan begründet das Vorgehen mit der Notwendigkeit, die Hundepopulation einzudämmen – insbesondere nach einer Reihe von Vorfällen mit aggressiven Streunern.
Tierschützerinnen und Tierschützer sprechen sich hingegen für einen anderen Ansatz aus: Kastration, Impfung und anschließende Rückführung der Tiere in ihre vertraute Umgebung seien die nachhaltigere Methode zur langfristigen Kontrolle der Population.
Inhalt 3: