Kroatien bremst den Zustrom ausländischer Arbeitskräfte mit drastischen Maßnahmen. Die neuen Regeln verlängern Genehmigungsverfahren auf bis zu neun Monate.
In Kroatien sind aktuell mehr als 101.000 ausländische Arbeitskräfte beschäftigt, wie aus den jüngsten Daten hervorgeht. Innenminister Davor Bozinovic präzisierte diese Zahl auf 101.300 Personen, wobei der Großteil aus den Nachbarländern Bosnien und Herzegowina sowie Serbien stammt. Zunehmend kommen jedoch auch Arbeitskräfte aus asiatischen Ländern wie Nepal, den Philippinen und Indien. Die kroatische Regierung reagiert nun mit einer deutlichen Verschärfung der Einreise- und Beschäftigungsbestimmungen, die binnen zwei Wochen in Kraft treten werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Zustrom ausländischer Arbeitskräfte stärker zu regulieren und umfassen intensivere behördliche Kontrollen, verpflichtende Sprachkurse sowie erweiterte Pflichten für Arbeitgeber.
Eine zentrale Änderung betrifft die Dauer des Einreiseverfahrens, die erheblich ausgedehnt wurde. Ivan Crnov, der eine Vermittlungsagentur für ausländische Arbeitskräfte mitbetreibt, berichtet gegenüber RTL, dass der gesamte Prozess mittlerweile sechs bis neun Monate in Anspruch nimmt – von der Zustimmung des Arbeitsmarktservice bis zur finalen Arbeitserlaubnis und dem tatsächlichen Eintreffen der Arbeitskraft in Kroatien. Früher sei dieser Vorgang innerhalb weniger Tage abgeschlossen gewesen. Die Verschärfungen haben in seiner Agentur bereits zu einem Rückgang der Vermittlungen um 30 bis 40 Prozent geführt, besonders bei Arbeitskräften aus Nepal.
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Strengere Auflagen
Die neuen Regelungen sehen zwar eine Verlängerung der Arbeitsgenehmigungen auf drei Jahre vor, stellen jedoch deutlich höhere Anforderungen an die Arbeitgeber. Unternehmen müssen künftig einen Mindestumsatz von 10.000 Euro nachweisen und Schuldscheine hinterlegen. Neugegründete Firmen dürfen nicht mehr unmittelbar nach ihrer Gründung ausländische Arbeitskräfte einstellen, sondern müssen zunächst ein Jahr Geschäftstätigkeit vorweisen. Das Arbeitsministerium hat bereits gegen elf Vermittlungsagenturen wegen illegaler Praktiken Anklage erhoben und ihnen die weitere Anwerbung untersagt.
Staatssekretär Ivan Vidis vom Arbeitsministerium betont die Wirksamkeit der verschärften Bestimmungen. Die Zahl der Neuzulassungen sei bereits um etwa 60 Prozent zurückgegangen, und die Anträge auf Arbeitskräfteanwerbung hätten sich um fast die Hälfte verringert. „Wer es mit dem Geschäft ernst meint, hat keine Probleme“, unterstrich der Staatssekretär.
Sprachliche Integration
Der philippinische Honorarkonsul Davor Stern verweist auf den bemerkenswerten Anstieg der in Kroatien lebenden Filipinos – von lediglich 17 Personen vor drei Jahrzehnten auf mittlerweile rund 17.000. Er betont jedoch die wachsende Bedeutung kroatischer Sprachkenntnisse, insbesondere in Branchen wie Tourismus, Schifffahrt und Altenpflege. Das Erlernen der Landessprache wird künftig verpflichtend sein. Bereits jetzt haben Hunderte Arbeitskräfte aus Nepal, Indien, Bangladesch und Pakistan grundlegende Sprachkurse an Bildungseinrichtungen absolviert.
Nach Einschätzung von Sprachdozenten benötigen die Arbeitskräfte zwischen drei und sechs Monaten, um grundlegende Kommunikationsfähigkeiten mit einem Wortschatz von etwa 300 Wörtern zu erwerben – abhängig davon, wie intensiv sie bereits mit der kroatischen Sprache in Berührung gekommen sind.