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Rekordüberweisungen

Abhängig von der Diaspora: Auslandskroaten pumpen Rekord-Milliarden in die Heimat

Abhängig von der Diaspora: Auslandskroaten pumpen Rekord-Milliarden in die Heimat
(FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Fast 5 Milliarden Euro fließen aus der Ferne in kroatische Taschen – ein Geldsegen mit Rekordcharakter, der das Land in eine besondere wirtschaftliche Abhängigkeit bringt.

Rekordsumme

Mehr als 4,8 Milliarden Euro haben Auslandskroaten in den ersten neun Monaten des Vorjahres in ihre Heimat überwiesen. Gleichzeitig transferierten ausländische Arbeitskräfte aus Kroatien knapp 1,58 Milliarden Euro in ihre Herkunftsländer, wie aktuelle Daten der Kroatischen Nationalbank belegen. Damit festigt Kroatien seine Position als jenes EU-Land, das am stärksten von Geldtransfers seiner Auswanderer abhängig ist.

Laut Eurostat machen diese Überweisungen beachtliche 7,2 Prozent des kroatischen Bruttoinlandsprodukts aus – deutlich mehr als in Lettland (3,1 Prozent) und Luxemburg (2,7 Prozent). Am anderen Ende der Skala stehen Irland (0,1 Prozent), Griechenland (0,2 Prozent) und Finnland (0,3 Prozent). Ähnlich hohe Abhängigkeiten zeigen sich in der Region bei Serbien (7,1 Prozent), während in Bosnien-Herzegowina (10,26 Prozent) und Montenegro (10,69 Prozent) die Auslandsüberweisungen sogar noch stärker ins Gewicht fallen.

Traditionell stammt der Löwenanteil der Überweisungen nach Kroatien aus Deutschland mit rund 1,83 Milliarden Euro. Dahinter folgen Irland (517,9 Millionen Euro), die Niederlande (472,8 Millionen Euro), Österreich (371,4 Millionen Euro) und Slowenien (243,6 Millionen Euro). Auch aus der Schweiz (195 Millionen Euro), den USA (145,3 Millionen Euro), Italien (125 Millionen Euro), Großbritannien (82,7 Millionen Euro) und Bosnien-Herzegowina (78,8 Millionen Euro) fließen beträchtliche Summen nach Kroatien.

Wie die Tageszeitung „Novi list“ berichtet, stehen auch Serbien mit 22,4 Millionen Euro, Kanada (22,3 Millionen Euro), Singapur (17,9 Millionen Euro) und Russland (8,5 Millionen Euro) auf der Liste der Herkunftsländer.

Geldflüsse ins Ausland

In die Gegenrichtung überwiesen ausländische Arbeitskräfte aus Kroatien im selben Zeitraum am meisten Geld nach Bosnien-Herzegowina – insgesamt 326,6 Millionen Euro, was etwa ein Fünftel aller Auslandsüberweisungen aus Kroatien ausmacht. An zweiter Stelle steht Nepal mit 221,8 Millionen Euro, gefolgt von Serbien mit 180,8 Millionen Euro. Weitere bedeutende Empfängerländer sind die Philippinen (136,8 Millionen Euro), Indien (114,5 Millionen Euro), Nordmazedonien (82,1 Millionen Euro), die Ukraine (58,3 Millionen Euro) und das Kosovo (51,1 Millionen Euro).

Auch nach Usbekistan (45,7 Millionen Euro) und Ägypten (36,4 Millionen Euro) flossen beachtliche Summen. Die Verteilung der Geldtransfers spiegelt die Herkunft der ausländischen Arbeitskräfte in Kroatien wider. Laut Innenministerium wurden bis Ende November des Vorjahres mehr als 160.000 Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen an Ausländer erteilt.

Die meisten gingen an Staatsbürger aus Bosnien-Herzegowina (30.188), gefolgt von Nepal (29.579), Serbien (23.145), den Philippinen (16.195) und Indien (14.500).

Langfristiger Trend

Die Überweisungen kroatischer Auswanderer zeigen seit Jahren einen deutlichen Aufwärtstrend. Im Jahr 2024 erreichten sie mit fast 6,2 Milliarden Euro einen neuen Höchststand – ein Plus von 10,8 Prozent oder 612 Millionen Euro gegenüber den 5,58 Milliarden Euro im Jahr 2023. Damit wurde der bisherige Rekord von 6,08 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2023 übertroffen.

Während die Überweisungen zwischen 2000 und 2009 weitgehend stabil blieben, setzte mit dem EU-Beitritt Kroatiens 2013 und der damit verbundenen Freizügigkeit für kroatische Arbeitnehmer ein deutlicher Anstieg ein. Parallel dazu nehmen seit 2017 auch die Überweisungen ausländischer Arbeitskräfte aus Kroatien stetig zu und erreichten im Vorjahr mit 1,82 Milliarden Euro einen Höchstwert – gegenüber 1,41 Milliarden Euro im Jahr davor.

Kroatien hat sich somit zu einem Land entwickelt, das sowohl erhebliche Summen aus dem Ausland empfängt als auch zunehmend Geld ins Ausland transferiert. Im regionalen Vergleich nimmt Kroatien laut Weltbank-Daten für 2023 eine Spitzenposition ein – sowohl bei eingehenden als auch bei ausgehenden Überweisungen.

So erhielt Kroatien Geldtransfers in Höhe von 6,08 Milliarden Dollar, während nach Serbien 5,77 Milliarden Dollar und nach Bosnien-Herzegowina 2,82 Milliarden Dollar flossen. Gleichzeitig verließen Kroatien mit 1,29 Milliarden Dollar die höchsten Summen in der gesamten Region, gefolgt von Serbien (900 Millionen Dollar) und Slowenien (520 Millionen Dollar).

Kleinere Beträge flossen auch nach Deutschland (26,1 Millionen Euro) und in die USA (7 Millionen Euro).