Ein winziger Kunststoffring legt den Elektroantrieb eines Porsche lahm – die Werkstattrechnung: 34.500 Euro. Bis ein Meister selbst zur Lösung greift.
Ein Porsche Cayenne-Hybrid stand vor einer Reparaturrechnung in Höhe von rund 34.500 Euro – so lautete zumindest die Einschätzung eines autorisierten Fachbetriebs, der ein neues Getriebe für notwendig hielt. Wie die finnische Zeitung „Ilta-Sanomat“ berichtet, war der Elektroantrieb des Fahrzeugs vollständig ausgefallen, während der V6-Benziner noch funktionierte. Kfz-Meister Mikko Simola zweifelte an dieser Diagnose, nahm das Automatikgetriebe auseinander und stieß dabei auf einen gebrochenen Kunststoff-Pressering als eigentliche Ursache – ein Kleinteil, das den sogenannten „weltbesten Antrieb“ außer Gefecht gesetzt hatte.
Da dieser Ring nach Simolas Angaben nicht als Einzelteil zu beziehen ist, sah der Hersteller keine andere Möglichkeit, als das gesamte Aggregat zu ersetzen. Gemeinsam mit einem Kollegen fertigte Simola das fehlende Bauteil kurzerhand selbst an, anstatt die horrende Summe zu akzeptieren. Der Cayenne-Hybrid lief anschließend wieder vollständig – inklusive Elektroantrieb.
Strukturelles Problem
Der Vorfall verdeutlicht ein strukturelles Problem, das viele moderne Fahrzeuge betrifft: Bauteile werden zunehmend nur noch als Gesamtmodule angeboten, einzelne Komponenten sind im Handel schlicht nicht mehr erhältlich. Was technisch betrachtet ein Cent-Teil sein kann, wird so zur Ursache eines fünfstelligen Schadens.
ADAC-Forderung
Dass diese Entwicklung keine Ausnahme darstellt, zeigt eine Auswertung des ADAC. Selbst kleinere Schäden – etwa durch einen Parkrempler – münden mittlerweile regelmäßig in vierstellige Werkstattrechnungen, weil ganze Baugruppen ausgetauscht werden müssen, obwohl nur ein Kleinteil defekt ist. Besonders augenfällig ist dies bei modernen Scheinwerfern: Ein einzelnes Leuchtmittel lässt sich kaum noch separat ersetzen; stattdessen wird häufig das komplette LED- oder Lasermodul fällig – allein das kann mehrere Tausend Euro kosten.
Der ADAC hat die Hersteller daher ausdrücklich aufgefordert, ihre Fahrzeuge künftig wieder so zu konstruieren, dass einzelne Komponenten separat ausgetauscht werden können – genau jenes Prinzip, das Simola im Fall des Cayenne auf eigene Faust in die Praxis umgesetzt hat.