Weniger Warten, mehr Tempo: Wien rollt ein Beschleunigungsprogramm aus, das den Alltag von Hunderttausenden Fahrgästen verändern soll.
Wien will seine Öffis schneller machen. Unter dem Titel „Mehr Tempo für Bus und Bim“ haben die Stadt Wien und die Wiener Linien ein gemeinsames Beschleunigungsprogramm gestartet, das Busse und Straßenbahnen künftig zügiger durch den Stadtverkehr bringen soll. Auf der Straßenbahnlinie D sind bereits sechs von mehr als 20 geplanten Maßnahmen abgeschlossen, weitere befinden sich in Vorbereitung.
Sind alle Schritte umgesetzt, rechnet die Stadt mit einer Fahrzeitverkürzung von bis zu drei Minuten je Fahrtrichtung. Auch die Pünktlichkeit soll steigen – und damit die Wartezeiten an den Haltestellen sinken. Zu den bereits realisierten Maßnahmen gehören angepasste Ampelschaltungen: An der Kreuzung Canettistraße/Arsenalstraße wurde die Signalsteuerung zugunsten der Straßenbahn verändert, was der Linie D laut Stadt insgesamt bis zu vier Minuten einspart. An der Kreuzung Heiligenstädter Straße/Sickenberggasse bekommt die Straßenbahn künftig früher Grün.
Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) sieht darin einen wichtigen Schritt: „Jede einzelne Minute, die wir durch bessere Ampelschaltungen oder eigene Fahrstreifen einsparen, ist ein Gewinn für die Öffi-Fahrgäste und ein wichtiger Schritt hin zu einer noch stärkeren, klimafreundlichen Mobilität in unserer Stadt. Wir nützen die historische Chance, dass alle Verkehrsagenden in einem Ressort gebündelt sind und wir dadurch zielgerichtet, mit kurzen Abstimmungswegen und umsetzungsstark agieren können.“
Eingriffe ins Straßenbild
Darüber hinaus sind weitere Eingriffe ins Straßenbild bereits fixiert. In der Prinz-Eugen-Straße soll ein Parkverbot dafür sorgen, dass Autos früher von den Gleisen weggelenkt werden. Auf der Heiligenstädter Straße kommen sogenannte Stuttgarter Schwellen (Fahrbahnteiler) zum Einsatz, die den Autoverkehr neben die Straßenbahn verlagern – statt davor.
Auch auf dem Ring sind Anpassungen vorgesehen: Am Kärntner Ring wird die Grünphase verlängert, sodass pro Ampelzyklus künftig zwei Straßenbahnen statt einer passieren können. Eine eigene Rechtsabbiegespur soll zudem verhindern, dass abbiegende Fahrzeuge ausfahrende Garnituren blockieren.
Mit 13. Juli wird außerdem die Haltestelle Parlament für die Linien D, 1, 2 und 71 aufgelassen. Die angrenzenden Stationen Ring/Volkstheater U und Rathausplatz/Burgtheater werden deutlich stärker genutzt und liegen jeweils rund 200 Meter entfernt. Im Zuge dieser Umstellung wird die Haltestelle Ring/Volkstheater U in Parlament/U Volkstheater umbenannt. Die Stadt beziffert den Nutzen dieser Maßnahme mit mehr als 200.000 eingesparten Stunden für Fahrgäste der Ringlinien pro Jahr.
Linie O im Fokus
Auch auf der Linie O laufen bereits erste Schritte. An der Kreuzung Landstraßer Gürtel/Fasangasse ist ein neues Ampelprogramm in Betrieb gegangen. Markierte Parkplätze in der Radetzkystraße sollen Behinderungen durch falsch abgestellte Fahrzeuge künftig unterbinden. Weitere Parkverbote sowie Änderungen an der Fahrbahn sind bereits beschlossen.
„Wer täglich mit Bus und Bim unterwegs ist, soll von einem schnellen und verlässlichen Angebot profitieren“, so Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. „Die ersten umgesetzten Maßnahmen bringen bereits spürbare Zeitgewinne für unsere Fahrgäste.“
Im Rahmen der Offensive „Mehr Tempo für Bus und Bim“ wollen Stadt und Wiener Linien insgesamt 29 Straßenbahn- und 135 Buslinien auf Beschleunigungspotenzial untersuchen. Nach den Linien D und O stehen als nächste Kandidaten die Straßenbahnlinie 6 sowie die Buslinie 10A auf dem Programm.