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Machtpolitik

Wut in Serbien: Neuer Trump Tower – Bürger ziehen auf die Straße!

Serbien Demonstration Serben
(Symbolbild FOTO: iStock)

Während Belgrads Straßen von Protesten erfüllt sind, treibt Präsident Vučić ein Milliardenprojekt voran. Im Zentrum steht ein historisches Gebäude – und ein prominenter US-Investor.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić sieht sich mit wachsendem Widerstand in der Bevölkerung konfrontiert. Auslöser der anhaltenden Bürgerproteste ist ein Bauskandal im Zusammenhang mit dem Einsturz des Bahnhofsdaches in Novi Sad, bei dem im vergangenen Jahr 16 Menschen ihr Leben verloren. Die Situation verschärft sich nun durch einen umstrittenen Parlamentsbeschluss: Ein Sondergesetz ermöglicht den Abriss des teilweise zerstörten Generalstabkomplexes im Zentrum Belgrads, was erneut Menschen auf die Straße treibt.

Das betreffende Gebäude, das während der NATO-Luftangriffe im Kosovo-Krieg 1999 schwer beschädigt wurde, genoss seit 2005 den Status eines Kulturdenkmals. Diese Schutzstellung wurde jedoch im Vorjahr aufgehoben. In zeitlicher Nähe zu dieser Entscheidung sicherte sich die Investmentgesellschaft Affinity Partners unter Leitung von Jared Kushner einen über 99-jährigen Pachtvertrag für das Areal. In Kooperation mit dem emiratischen Immobilienentwickler Eagle Hills plant das Unternehmen die Errichtung zweier Hochhaustürme.

“Wir geben das Land und sie investieren mindestens 650 Millionen Euro, eine riesige Investition für unser Land”, verteidigte Vučić das Vorhaben in einem Interview mit dem regierungsnahen Sender Pink TV. “Das wird den Wert von allem in Belgrad steigern und noch mehr Touristen anziehen.” Das Gesamtvolumen des Projekts soll die Marke von einer Milliarde Euro überschreiten.

Energiekrise droht

Hinter Vučićs Drängen auf eine rasche Umsetzung könnte auch die prekäre Situation des serbischen Ölkonzerns NIS stehen. Das mehrheitlich vom russischen Gazprom-Konzern kontrollierte Unternehmen wurde mit US-Sanktionen belegt. Washington hat Belgrad eine Frist bis Februar 2026 gesetzt, innerhalb derer Gazprom seine Beteiligung an NIS veräußern muss. Nach Angaben des Präsidenten laufen bereits Gespräche mit potenziellen Investoren, deren Identität jedoch nicht preisgegeben wird. Die einzige Raffinerie des Landes musste kürzlich den Betrieb einstellen – eine Situation, die Vučić zwingt, sowohl einen Aufschub der Sanktionen zu erwirken als auch den Rückzug von Gazprom zu organisieren.

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Politisches Kalkül

Das Bauprojekt in Belgrad könnte für Vučić ein strategisches Instrument darstellen, um die angespannten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu verbessern. Die Beteiligung von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump, verleiht dem Vorhaben eine besondere politische Dimension – nicht zuletzt vor dem historischen Hintergrund, dass die US-Luftwaffe 1999 maßgeblich an den Bombardements beteiligt war, die das Gebäude ursprünglich zerstörten. Trotz laufender staatsanwaltlicher Ermittlungen wegen mutmaßlicher Dokumentenfälschung im Zusammenhang mit der Aufhebung des Denkmalschutzes hat das serbische Parlament das Projekt zur nationalen Priorität erklärt.

Ein Schritt, der es Vučić ermöglicht, schnell vollendete Tatsachen zu schaffen.