Ein Vorwand, eine versperrte Tür – und ein Martyrium, das ein Mädchen lange schweigen ließ. Nun rollen die Ermittlungen.
Eine 16-Jährige soll unter einem Vorwand in eine Wiener Wohnung gelockt und dort von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Die Täter filmten die Tat und drohten dem Opfer mit der Veröffentlichung der Aufnahmen, sollte es die Polizei einschalten.
Ein bis dahin unbekannter Mann hatte das Mädchen unter einem Vorwand in die Wohnung gebracht. Sobald sie sich darin befand, versperrte er die Tür und griff sie an. Das Mädchen versuchte, sich zu befreien – vergeblich. Der Mann warf sie auf eine Matratze, hielt sie fest und vergewaltigte sie.
Zweiter Täter bekannt
Damit war das Martyrium der Jugendlichen noch nicht beendet: Ein weiterer Mann soll sich ebenfalls an ihr vergangen haben. Dieser zweite Täter ist den Ermittlungsbehörden namentlich bekannt. Laut „Krone“-Informationen handelt es sich um einen 19-jährigen Syrer mit Wohnsitz in Graz, der die 16-Jährige trotz ihres heftigen Widerstands und ihrer lauten Gegenwehr vergewaltigt haben soll.
Der 19-Jährige sowie ein dritter Mann sollen die Übergriffe gefilmt haben. Die Aufnahmen dienten nicht nur der Dokumentation, sondern auch der Einschüchterung: Das Opfer wurde damit bedroht, dass das Material veröffentlicht würde, sobald es eine Anzeige erstatten sollte.
Das Mädchen schwieg lange. Erst als es einen der mutmaßlichen Täter zufällig in einem Grazer Park traf, fasste es den Mut, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Der 19-jährige Syrer, der zum Zeitpunkt seiner Festnahme beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet war und bereits eine Haftstrafe verbüßt hatte, wurde daraufhin festgenommen. Die Fahndung nach den beiden weiteren Tatverdächtigen läuft.
Politische Konsequenzen
Ein früherer Fall hatte auch politische Konsequenzen: Justizministerin Anna Sporrer kündigte Reformen im Sexualstrafrecht an. Zehn junge Männer, darunter teils Vorbestrafte, waren angeklagt, weil sie in wechselnden Konstellationen Sex mit der damals zwölfjährigen „Anna“ gehabt haben sollen – ebenfalls auf Video festgehalten. Im September des Vorjahres sprach der vorsitzende Richter des Schöffensenats alle Angeklagten frei: „Das Beweisverfahren hat ganz klar zu Freisprüchen geführt“, erklärte er, alles sei im gegenseitigen Einvernehmen geschehen.