Hunderttausende Pilger und hochrangige Delegationen aus aller Welt versammeln sich am Samstag auf dem Petersplatz in Rom, um Abschied von Papst Franziskus zu nehmen. Das Begräbnis, das von Milliarden Menschen weltweit im Fernsehen verfolgt werden kann, versetzt die italienische Hauptstadt in einen beispiellosen Sicherheitszustand. Mehr als 1.000 Polizeibeamte sind im Einsatz, um die Sicherheit der 170 internationalen Delegationen zu gewährleisten.
Bereits in den frühen Morgenstunden des Samstags strömten die Gläubigen zum Petersplatz. Die Zugänge wurden um 5.30 Uhr geöffnet, nachdem sich zahlreiche Familien, Ordensgemeinschaften und Pfarrgruppen über Nacht vor den Eingängen versammelt hatten. Besonders viele junge Menschen reisten mit katholischen Organisationen zur Trauerzeremonie nach Rom. Angesichts der außergewöhnlichen Umstände wurden die Sicherheitskontrollen deutlich verschärft.
Der offizielle Teil der Trauerfeierlichkeiten beginnt um 10 Uhr mit der Ankunft zahlreicher Staats- und Regierungschefs, darunter Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban und die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni. Entgegen vorheriger Unsicherheiten ist auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Rom eingetroffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf seinen Sprecher Serhij Nikiforow mitteilte. Zuvor waren bereits Außenminister Andrij Sybiha und First Lady Olena Selenska angereist. Noch am Vorabend hatte Selenskyj Zweifel an seiner Teilnahme geäußert und auf die angespannte Lage in der Ukraine verwiesen.
Prominente Trauergäste
Der ehemalige US-Präsident wird von seiner Frau Jill begleitet. Unter den Trauergästen befinden sich zahlreiche Monarchen: Belgiens König Philippe mit Königin Mathilde, Dänemarks Königin Mary, Spaniens König Felipe VI. mit Königin Letizia, Jordaniens König Abdullah II. mit Königin Rania, Fürst Albert von Monaco mit Fürstin Charlene sowie Schwedens König Carl Gustaf mit Königin Silvia. Auch Vertreter der Königshäuser aus den Arabischen Emiraten, Lesotho, Andorra und Liechtenstein sind nach Rom gereist.
Österreich entsendet eine Delegation unter Führung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Mehrere österreichische Bischöfe, darunter der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner aus Salzburg, nehmen an den Feierlichkeiten teil. Deutschland wird durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz vertreten. Zu den weiteren prominenten Staatsgästen zählen US-Präsident Joe Biden mit seiner Gattin Jill, der brasilianische Ministerpräsident Luiz Inacio Lula da Silva und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mit seiner Gattin Brigitte.
Die Europäische Union wird durch Ratspräsident Antonio Costa, Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, repräsentiert. Die Vereinten Nationen entsendet Generalsekretär Antonio Guterres. Die italienische Delegation wird von Staatspräsident Sergio Mattarella, dessen Tochter Laura und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni angeführt.
Letzte Ruhestätte
Nach Abschluss der Trauerfeier auf dem Petersplatz wird der Sarg des Papstes auf einer etwa sechs Kilometer langen Route durch Rom zur Basilika Santa Maria Maggiore überführt, wo Franziskus seine letzte Ruhestätte finden wird. Für den Transport wird ein umgebautes Papamobil verwendet. Italienischen Medienberichten zufolge sollen die Menschen entlang der Strecke die Möglichkeit haben, dem verstorbenen Pontifex die letzte Ehre zu erweisen.
Der Sarg wird nach der Messe auf dem Petersplatz zur Basilika Santa Maria Maggiore gebracht. Dort wird Franziskus auf eigenen Wunsch in einer Nische im linken Seitenschiff der Kirche im Zentrum Roms nahe der von ihm verehrten Marienikone „Salus populi Romani“ (Heil des römischen Volkes) beigesetzt. Diese letzte Ruhestätte entspricht seinem ausdrücklichen Wunsch, nicht wie seine Vorgänger im Petersdom, sondern in der ihm besonders am Herzen liegenden Basilika bestattet zu werden. Der Petersplatz ist heute aufgrund des enormen Polizeiaufgebots der sicherste Ort der Welt.
Elena Bergoglio kann aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Rom reisen. Am Freitagabend traf die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni in Rom den ungarischen Premier Viktor Orbán. „Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Orban erörterten die italienisch-ungarische Zusammenarbeit, wichtige europäische Fragen und gemeinsame Bemühungen zur Förderung des Friedens“, teilte Orbáns Pressestelle auf X mit und veröffentlichte ein Foto der beiden Politiker im römischen Regierungssitz.
Meloni empfing am Freitag auch den britischen Premierminister Keir Starmer im Regierungssitz Palazzo Chigi. Starmer ist ebenfalls zum Begräbnis des Papstes nach Rom gekommen. Das Treffen mit Meloni dauerte etwa eine halbe Stunde. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Meloni auch mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) zusammentrifft, der gemeinsam mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen die österreichische Delegation anführt.
Bemerkenswert ist, dass Franziskus‘ Sarg bei der Ankunft an seiner letzten Ruhestätte von einer Gruppe armer und bedürftiger Menschen empfangen wird – ein symbolischer Akt, der die besondere Zuwendung des verstorbenen Papstes zu den Benachteiligten der Gesellschaft unterstreicht. Bereits einen Tag nach der Beisetzung wird das Grab für die Öffentlichkeit zugänglich sein, sodass Gläubige ab Sonntag die letzte Ruhestätte des Pontifex in Santa Maria Maggiore besuchen können.