Ein Vorarlberger, 26 Jahre alt, fand sich vor Gericht wieder, nachdem er auf der Dating-Plattform Tinder Männer mit fremden weiblichen Profilbildern getäuscht und danach versucht hatte, sie zu erpressen. Seine Methode: sich als Frau ausgeben, intime Videos erschwindeln und dann Geldforderungen stellen. Der Fall enthüllt eine problematische Dunkelzone im Online-Dating.

Erpressung
Der Beschuldigte, ein bislang unbescholtener Handwerker, gibt sich im Landesgericht Feldkirch ahnungslos: „Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe. Es war einfach eine Kurzschlusshandlung“, vermittelte er den Richtern und der Staatsanwaltschaft. Die Anklage lautet auf versuchte Erpressung. Der Homosexuelle hatte sich als „Lisa“ ausgegeben und sein Opfer zu Masturbationsvideos genötigt, um diese später als Druckmittel einzusetzen. Die Forderung: 300 Euro via Paysafecard, sonst würden die Aufnahmen verbreitet.
Kein Einzelfall
Obwohl der Angeklagte die Tat als einmaligen Fehltritt darstellte, zeigte eine Meldung der Staatsanwaltschaft Ravensburg ein anderes Bild. Schon zuvor war er in einem ähnlichen Fall in Darmstadt aktiv. Dort hatte er ein Opfer um 100 Euro erpresst.
Motiv bleibt unklar
Auf Nachfrage nach den Beweggründen bot der Angeklagte unterschiedliche Erklärungen an, von „Nervenkitzel“ über das Bedürfnis, „einfach nur Penisse sehen zu wollen“ bis hin zu dem Wunsch, den Männern „eine Lektion zu erteilen, dass man solche Sachen nicht verschicken sollte“ – eine Mischung von Motiven, die beim Vorsitzenden Richter Marco Mazzia Skepsis hervorriefen.
Entscheidung für eine außergerichtliche Lösung
Trotz der hartnackigen Haltung der Staatsanwältin Milena Fink, die eine Diversion wegen nicht geringer Schuld ablehnte, entschied das Gericht sich für eine Geldbuße. Die Verteidigung argumentierte für eine außergerichtliche Lösung und setzte sich durch. Der Angeklagte muss 3000 Euro zahlen.
