In Nordmazedonien wurden am Donnerstagabend insgesamt 27 Tonnen Marihuana sichergestellt – die größte Drogenbeschlagnahme in der Geschichte des Landes. Die umfangreiche Polizeiaktion erstreckte sich über den gesamten 5. Februar, wie nordmazedonische Medien berichteten. Die Ermittlungen stehen in direktem Zusammenhang mit Drogenschmuggel nach Serbien und knüpfen an einen Fund von fünf Tonnen Marihuana im serbischen Dorf Konjuh bei Krusevac an.
Die Einsatzkräfte beschlagnahmten zehn Tonnen der Droge auf dem Gelände des ehemaligen Industriekomplexes OHIS in Skopje, wo das Unternehmen „Alfafarm DOO Skopje“ seinen Firmensitz hat. Weitere Drogenfunde wurden in der Region Strumica gemacht. Augenzeugenberichten zufolge fuhren am späten Donnerstagnachmittag etwa zehn Kleinbusse, fünf Lastwagen sowie zahlreiche Polizei- und Zollfahrzeuge auf das Gelände der stillgelegten OHIS-Fabrik.
Nordmazedoniens Regierungschef Hristijan Mickoski kündigte den Großeinsatz am Donnerstagabend in einer Nachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks MRT an. „Das Innenministerium wird in Kürze über Dutzende Tonnen beschlagnahmter Drogen informieren – nicht nur einige Tonnen, sondern mehrere Dutzend Tonnen Marihuana“, erklärte Mickoski. Er verwies auf Verbindungen zwischen bestimmten Unternehmen im In- und Ausland, die in illegalen Handel und unerlaubte Lagerung verwickelt seien.
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Verdächtige Firmenstruktur
Die Ermittler gehen davon aus, dass erhebliche Mengen der produzierten Drogen auf dem Schwarzmarkt landeten. Besonders auffällig: Nur wenige Tage vor der Drogenbeschlagnahme in Serbien kam es zu verdächtigen Änderungen in der Eigentumsstruktur des betroffenen Unternehmens. Im Fokus der nordmazedonischen Ermittlungen steht die Handelsfirma „Alfafarm DOO Skopje“, die 2023 für den Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen, aromatischen und Heilkräutern für pharmazeutische Zwecke registriert wurde.
Laut Handelsregister verfügt das Unternehmen über ein Stammkapital von rund 529.000 Euro und hat mehrere Miteigentümer, die allesamt aus Krusevac stammen. Kurz vor dem Drogenfund in Serbien schied ein Miteigentümer mit Wiener Adresse, identifiziert als D.S., aus dem Unternehmen aus.
Serbische Verbindung
Der Rekord-Drogenfund in Nordmazedonien steht in direkter Verbindung mit einem Vorfall in Serbien vom 29. Jänner, als im Dorf Konjuh bei Krusevac fünf Tonnen Marihuana auf dem Anwesen des lokalen Unternehmers und Funktionärs der Serbischen Fortschrittspartei (SNS), Rade Spasojevic, entdeckt wurden. In Serbien wurden im Zusammenhang mit dem Konjuh-Fund fünf Personen angeklagt, von denen zwei weiterhin flüchtig sind. Der Vorwurf lautet auf unerlaubte Herstellung und Vertrieb von Betäubungsmitteln.
Die nordmazedonischen Behörden hielten sich mit offiziellen Details zurück und verwiesen darauf, dass die Operation noch im Gange sei.