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Empörung

41 Tote bei Bar-Brand zu Silvester: Betreiber wollen Lokale wieder eröffnen

41 Tote bei Bar-Brand zu Silvester: Betreiber wollen Lokale wieder eröffnen
FOTO: EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT/CYRIL ZINGARO
3 Min. Lesezeit |

41 Tote, laufende Ermittlungen – und die Betreiber der Unglücksbar wollen wieder öffnen. Die Hinterbliebenen kämpfen dagegen.

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Brand in der Silvesternacht, bei dem in der Schweizer Nobelskistation Crans-Montana 41 Menschen ums Leben kamen, soll die betroffene Bar „Le Constellation“ einer neuen Nutzung weichen. Der Regierungschef des Kantons Wallis kündigte an, dass an dem Ort künftig ein Jugendzentrum entstehen soll. Für die Opfer des Unglücks ist zudem ein Gedenkort geplant, der nach den Worten des Regierungschefs „schön, friedlich und zugänglich“ sein und ein „würdiges“ Erinnern ermöglichen soll.

Doch trotz dieser Ankündigung ist in Crans-Montana keine Ruhe eingekehrt. Unter Angehörigen der Opfer sorgt eine andere Entwicklung für Empörung: Die Betreiber der Bar, in der sich die Brandkatastrophe ereignet hatte, planen die Wiedereröffnung zweier anderer Gastronomiebetriebe.

Ermittlungen laufen

Strafrechtlich ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Gegen Jacques und Jessica Moretti, die Betreiber der „Le Constellation“, laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Der Vorwurf: Sie sollen beim Einsatz von Sprühkerzen leichtfertig gehandelt und beim Bau des Lokals auf feuerfeste Materialien verzichtet haben. Inzwischen ermittelt die Walliser Staatsanwaltschaft gegen insgesamt 14 Personen, darunter das Betreiberpaar sowie fünf amtierende oder ehemalige Gemeindevertreter und sieben derzeitige oder ehemalige Gemeindemitarbeiter – die Vorwürfe lauten auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Brandstiftung und fahrlässige schwere Körperverletzung.

Gegen Jessica Moretti wurde die Anklage zusätzlich erweitert: Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Urkundenfälschung im Zusammenhang mit der Rechnung für den Schaumstoff an der Decke der Bar vor, der am 1. Januar Feuer fing und als Ursprung des Brandes gilt. Ungeachtet dieser laufenden Verfahren wollen die Gastronomen nun wieder in den Betrieb zurückkehren.

Wie das Blatt „Il Giornale“ berichtet, handelt es sich dabei um die Restaurants „Le Vieux Chalet“ in Lens und „Le Senso“ in Crans-Montana. Für die Hinterbliebenen der Todesopfer ist dieser Schritt nicht hinnehmbar: Auf der Plattform change.org haben sie eine Petition gestartet, mit der sie die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs durch die Morettis verhindern wollen. Sie halten das Vorgehen für unangemessen und verlangen, dass die Lokale bis zum Abschluss der Ermittlungen geschlossen bleiben.

Petition mit Nachdruck

Inzwischen haben mehr als 24.000 Menschen die Petition unterzeichnet. In vier Sprachen legen die Initiatoren dar, warum die Familien der Opfer gegen eine Wiedereröffnung sind. „Seit jener Nacht leben ganze Familien mit Schmerz, Warten und Schweigen“, heißt es darin. „Die straf- und zivilrechtlichen Verfahren laufen noch. Wesentliche Fragen bleiben unbeantwortet: Warum, wie und wer wird dafür Verantwortung tragen müssen?“

Darüber hinaus drängen einige Angehörige die Staatsanwaltschaft, die Anklage gegen das Ehepaar Moretti zu verschärfen. Statt fahrlässiger Tötung soll ihnen demnach vorsätzliche Tötung zur Last gelegt werden – ein Unterschied, der erhebliche Konsequenzen hätte: Während im ersten Fall eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren droht, wären im zweiten Fall bis zu 20 Jahre möglich.

Für die Opfer, ihre Familien und andere Betroffene sei es „unerträglich“, dass die Morettis „ihre Geschäftstätigkeit wieder aufnehmen könnten, als wäre nichts geschehen“. Die Angehörigen appellieren an die Gastronomen, angesichts der Tragödie mit 41 Toten und 115 Verletzten „Anstand“, „Respekt vor den Verstorbenen“ und „Zurückhaltung“ zu zeigen.

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KO KOSMO-Redaktion
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