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Versorgungskrise

454 Medikamente fehlen: Ärztekammer schlägt Alarm

454 Medikamente fehlen: Ärztekammer schlägt Alarm
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Während Ärzte Alarm schlagen, stehen 454 Medikamente auf der Engpassliste. Die chronische Versorgungskrise im Gesundheitssystem erfordert nun europäische Lösungen.

Medikamenten-Engpässe belasten das europäische Gesundheitssystem zunehmend. In ganz Österreich und der EU fehlen immer wieder lebenswichtige Arzneimittel wie Antibiotika, Insulin sowie Schmerz- und Fieberpräparate. Die Gesundheitsminister der Europäischen Union planen nun konkrete Schritte, um die Versorgungssicherheit zu verbessern.

Die Ursachen für die Lieferprobleme sind vielschichtig: eine begrenzte Anzahl von Herstellern, die Verlagerung der Produktion in Nicht-EU-Länder und ein Versorgungssystem, das bei Krisen oder Nachfragespitzen instabil wird, wie der Präsident erläutert. „Der Medikamentenengpass ist in den Wintermonaten zum wiederkehrenden Problem geworden und besorgt uns Ärztinnen und Ärzte zunehmend“, bekräftigt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer. Derzeit befinden sich 454 Medikamente auf der Liste mit Vertriebseinschränkungen – sie sind entweder gar nicht oder nur begrenzt erhältlich.

„Derzeit ist der Winter noch mild und wir haben früh mit den Grippe-Impfungen begonnen. Aber in den kalten Monaten wird der Druck auf die Versorgungssysteme noch einmal deutlich zunehmen, da Erkältungen, Grippe und andere Infektionen den Bedarf natürlich erheblich steigern“, erklärt Kamaleyan-Schmied.

Chronischer Notstand

Besonders die Corona-Pandemie hat die Abhängigkeit Österreichs bei der Medikamentenversorgung offengelegt. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob es einen Notfallplan gibt und wir heute für eine neue Pandemie vorbereitet wären“, so Kamaleyan-Schmied. „Seit Jahren weisen wir Ärztinnen und Ärzte regelmäßig auf die Versorgungengpässe hin. Nicht zu wissen, ob passende Medikamente verfügbar sind, ist für ein wohlhabendes Land wie Österreich inakzeptabel.“ Zusätzlich sei es äußerst zeitraubend, ständig abklären zu müssen, ob und wo bestimmte Medikamente – beispielsweise in kindgerechter Dosierung – verfügbar sind.

„Dabei investieren wir wertvolle Zeit, die wir dringend für unsere Patientinnen und Patienten benötigen.“

Die Standesvertretung der Ärzte fordert rasches Handeln: „Wie bereits in den vergangenen Jahren sind wir auch in diesem Winter mit Medikamentenengpässen konfrontiert“, betont Präsident Johannes Steinhart. Jede Initiative gegen diesen „chronischen Notstand“ sei zu begrüßen. Allerdings bleibe die praktische Umsetzung in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten, einschließlich Österreich, noch unklar. „Es ist die Aufgabe der heimischen Politik, die nationale Implementierung kritisch zu begleiten, besonders im Hinblick auf Versorgungssicherheit und ärztliche Entscheidungsfreiheit.“

Heimische Produktion

Gerade Wien mit seinem hohen Patientenaufkommen benötigt eine verlässliche Versorgungssicherheit. Dies könne nur durch ein Gesamtkonzept erreicht werden, das Österreich als Produktionsstandort attraktiver macht. „Es kann nicht sein, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zwischen wirtschaftspolitischen und Industrieinteressen auf der Strecke bleibt“, mahnt Präsident Steinhart. Er plädiert dafür, medizinische Erfordernisse über Partikularinteressen zu stellen.

„Die Politik muss konsequent und rasch in den zügigen Ausbau der heimischen und europäischen Arzneimittelproduktion investieren.“