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Wettbewerbskampf

9-Euro-Tickets und China-Züge: Privatanbieter attackieren Wien-Budapest-Route

9-Euro-Tickets und China-Züge: Privatanbieter attackieren Wien-Budapest-Route
(FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Der Kampf um die lukrative Bahnverbindung zwischen Budapest und Wien verschärft sich zusehends. Die bislang von staatlichen Eisenbahngesellschaften dominierte Prestigestrecke gerät zunehmend unter Druck durch private Wettbewerber. Während die ungarische Staatsbahn MÁV mit finanziellen Schwierigkeiten im Inlandsgeschäft ringt, setzen Konkurrenten wie die österreichische Westbahn und das tschechische Unternehmen RegioJet auf aggressive Preisstrategien und Spitzentechnologie.

Laut iho.hu zählt die Verbindung nach Wien zu den wenigen verbleibenden Ertragsperlen im Portfolio der MÁV. Seit der Einführung des vergünstigten Landestickets in Ungarn lässt sich der Inlandsverkehr kaum noch gewinnbringend betreiben, während das grenzüberschreitende Geschäft weiterhin floriert und einen unverzichtbaren Einnahmepfeiler darstellt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Zahlen unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung des internationalen Verkehrs: In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 erwirtschaftete die MÁV mit grenzüberschreitenden Verbindungen 17,2 Milliarden Forint (44,5 Millionen Euro), was etwa 13 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Bemerkenswert ist dabei der Anteil der Österreich-Verbindungen, die für 58 Prozent dieser Einnahmen verantwortlich zeichnen.

Seit Sommer 2020 mischt RegioJet den Markt mit Tiefpreisangeboten auf. Die tschechische Privatbahn lockt Fahrgäste mit Einstiegspreisen von lediglich 9 bis 12 Euro – ein deutlicher Kontrast zum Preisniveau der Staatsbahnen, wo Reisende durchschnittlich 30 Euro zahlen und kurzfristige Buchungen sogar bis zu 55 Euro kosten können.

RegioJet hingegen limitiert selbst Last-Minute-Tickets auf maximal 35 Euro. Nach dem jüngsten Fahrplanwechsel bietet das Unternehmen bereits vier tägliche Zugpaare an und plant, das Angebot auf sechs Verbindungen täglich auszuweiten.

Neue Technologie

Ein weiterer Markteintritt steht bevor: Ab Dezember 2026 will die österreichische Westbahn im ungarischen Markt Fuß fassen. Das Unternehmen hat bereits die erforderlichen Genehmigungen beantragt, um künftig fünf tägliche Zugpaare auf der erweiterten Route Budapest–Wien–Salzburg–München zu betreiben.

Für diesen anspruchsvollen grenzüberschreitenden Service setzt die Westbahn auf fernöstliche Technologie. Das Unternehmen hat vier sechsteilige Doppelstock-Elektrotriebzüge vom chinesischen Hersteller CRRC ZELC geleast, die speziell für europäische Anforderungen konzipiert wurden.

Die hochmodernen Fahrzeuge der Baureihe 4100 zeichnen sich durch ihre Mehrsystemfähigkeit aus – sie beherrschen sowohl das in Ungarn verwendete 25-kV-Stromsystem als auch das in Österreich und Deutschland übliche 15-kV-Wechselstromnetz und erreichen Höchstgeschwindigkeiten von 200 km/h. Ein Prototyp dieser Doppelstockzüge durchlief bereits im ungarischen Dunakeszi umfangreiche Tests und wurde mit dem nationalen Zugsicherungssystem EVM120 ausgestattet, um die Betriebszulassung für das ungarische Schienennetz zu erhalten.

Der Markteintritt der Westbahn verspricht den Reisenden nicht nur intensiveren Preiswettbewerb, sondern auch verbesserte Verbindungsmöglichkeiten über Wien hinaus. Passagiere aus Budapest profitieren künftig von nahtlosen Umsteigeoptionen in das bestehende Westbahn-Netz mit Verbindungen nach Graz oder Klagenfurt.

Für MÁV und ÖBB entwickelt sich diese Situation zu einer ernsthaften Bedrohung ihrer wichtigsten internationalen Einnahmequelle.

Sollten die privaten Anbieter ihre angekündigten Pläne umsetzen und ihre Kapazitäten auf insgesamt elf tägliche Zugpaare ausbauen, könnte die jahrzehntelange Marktdominanz der staatlichen Eisenbahngesellschaften auf dieser bedeutenden Strecke endgültig Geschichte sein.