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Preisexplosion

Kitzbühel in Zahlen: Vom 900-Euro-Siegesrausch bis zum 14-Millionen-Chalet

Kitzbühel in Zahlen: Vom 900-Euro-Siegesrausch bis zum 14-Millionen-Chalet
(istockphoto: Kitzbühel)
5 Min. Lesezeit |

Zwischen Millionen-Chalets und 2,90-Euro-Espresso: Die Hahnenkammrennen verwandeln Kitzbühel in eine Hochburg der Extreme, wo Sportler und Schickeria aufeinandertreffen.

Kitzbühel. Hermann Maier brachte es bei einem kurzen Aufenthalt in der Gamsstadt mit trockenem Humor auf den Punkt: „Ich fahre öfters zum Tanken hierher, weil Kitzbühel ist ja ein bekannt preisgünstiger Ort.“ Tatsächlich lag der Preis für einen Liter Superbenzin am Mittwochmorgen bei etwa 1,53 Euro – durchaus im österreichischen Durchschnitt. Doch gerade während der Hahnenkammwoche floriert das Geschäft in Kitzbühel, sowohl auf der Streif und dem Ganslernhang als auch abseits davon.

Die Veranstalter in Kitzbühel schütten auch dieses Jahr wieder Rekordpreisgelder an die Athleten aus. Insgesamt 1.050.000 Euro werden auf die drei Wettbewerbe (Super-G, Abfahrt und Slalom) verteilt. Der Sieger erhält jeweils 101.000 Euro, der Zweitplatzierte 51.000 Euro und der Dritte 26.000 Euro. Selbst für den 30. Platz gibt es noch 2500 Euro. Der Abfahrtssieger verdient damit pro Sekunde Fahrzeit etwa 900 Euro.

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Zum Vergleich: Nur Kitzbühel und Flachau beim Damenslalom zahlen mehr als die von der FIS festgelegte Mindestsumme von 167.619 Euro für Weltcuprennen. An allen anderen Austragungsorten erhalten Sieger 54.709 Euro und der 30. Platz wird mit 816 Euro honoriert.

Lukrative Einnahmen

In der laufenden Saison führen Marco Odermatt mit 484.000 Euro und Mikaela Shiffrin mit 424.000 Euro die Preisgeldrangliste an – Summen, die sich bis Saisonende noch verdoppeln könnten. Aus österreichischer Sicht sind Marco Schwarz mit 163.000 Euro und Julia Scheib mit 270.000 Euro die finanziell erfolgreichsten Athleten auf den Pisten. Den historischen Spitzenplatz bei den Preisgeldern hält Marcel Hirscher mit mehr als fünf Millionen Euro in seiner Karriere.

Für Topstars wie Odermatt stellen Preisgelder jedoch nicht die Haupteinnahmequelle dar. Der Schweizer wird von rund 20 Sponsoren und Partnern unterstützt, die ihm neben Sachleistungen auch Fixzahlungen und Erfolgsprämien gewähren. Dies führt zu weiteren siebenstelligen Einnahmen pro Saison. Ein kasachischer Millionär bot ihm kürzlich 150.000 Schweizer Franken für zwei gemeinsame Skitage – ein Angebot, das Odermatt ablehnte.

Die Athleten haben kaum eigene Kosten, da ihre nationalen Skiverbände wie der ÖSV für den Trainings- und Rennbetrieb aufkommen.

Das Budget der Hahnenkammveranstalter unter der Leitung des Kitzbüheler Ski Clubs (K.S.C.) beläuft sich mittlerweile auf über zwölf Millionen Euro. KSC-Präsident Michael Huber kann auf zahlreiche ehrenamtliche Helfer zählen, ohne deren Einsatz die Veranstaltung nicht durchführbar wäre. Die Sportmarketing-Agentur WWP von Harti Weirather sorgt dafür, dass das Event dem Skiclub und der Stadt erhebliche Einnahmen beschert und wohlhabende Gäste zum Hahnenkamm lockt.

Skifans können Tickets für die Abfahrt am Samstag ab 35 Euro erwerben – alle 45.000 Karten sind längst vergriffen. Mit einer Tageskarte für das Skigebiet (79,50 Euro für Erwachsene) kommt man dem Geschehen ebenfalls recht nahe. An den besucherstärksten Tagen tummeln sich bis zu 30.000 Wintersportler auf den Pisten.

Die Tagesmiete für einen ordentlichen Leihski beträgt etwa 40 Euro. Wer Aufsehen erregen möchte, findet in Kitzbühels Boutiquen auch ein Skiset von Moncler zum Preis von 2350 Euro. Eine Privatstunde mit einem Skilehrer der „Roten Teufel“ kostet 150 Euro.

Exklusive Preise

Der Gesamtumsatz im Großraum Kitzbühel während der Hahnenkammrennen wird auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Im Hotel Kitzhof, wo der ÖSV-Tross diese Woche untergebracht ist, beginnen die Preise für ein Doppelzimmer in der Hochsaison bei 500 Euro pro Nacht. Mit frühzeitiger Planung und etwas Glück lassen sich jedoch auch deutlich günstigere Privatunterkünfte finden, besonders in der Umgebung wie Kirchberg oder St. Johann in Tirol, die über gute Zugverbindungen direkt zum Renngelände verfügen.

Für ein Chalet während des Rennwochenendes werden schnell fünfstellige Beträge fällig. Wer auf dem berüchtigten Kitzbüheler Immobilienmarkt investieren möchte: Ein 500-Quadratmeter-Chalet in „malerischer Lage“ kostet bei einem der rund 60 Makler im Ort 14,5 Millionen Euro, eine 120-Quadratmeter-Ferienwohnung schlägt mit 1,5 Millionen zu Buche.

Die Unterbringungskosten für die Athleten sind von der FIS klar reguliert. Hotels dürfen von den Skiverbänden maximal 140 Schweizer Franken (etwa 150 Euro) pro Person und Nacht verlangen. Gerade in der Hochsaison und an Orten wie Kitzbühel könnten sie ein Vielfaches kassieren, weshalb Weltcupveranstaltungen während der Ferienzeit bei Touristikern nicht besonders beliebt sind.

Das kulinarische Angebot in Kitzbühel reicht von einer McDonalds-Filiale bis zu erstklassigen Restaurants. Im Zuma kosten 160 Gramm Wagyu-Ribeye 175 Euro, und wer seine Speisen mit etwas Beluga-Kaviar verfeinern möchte, zahlt dafür 241 Euro. Allerdings ist in Kitzbüheler Cafés auch ein Espresso für 2,90 Euro erhältlich. Für die Verpflegung der Sportler ist der Veranstalter zuständig.

Um den Glanz und Glamour der Kitzbühel-Rennen hautnah zu erleben, empfiehlt sich das Drei-Tage-Paket im Kitz Race Club am Fuße der Streif für 6400 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Alternativ kostet die Race Party am Samstagabend 2400 Euro – beide Angebote sind bereits ausverkauft. Weitere Optionen sind die Weißwurstparty im Stanglwirt (206 bis 826 Euro), Rosi’s Schnitzelparty in der Sonnbergstuben (450 Euro) oder die Neuheit in diesem Jahr: „The Chalet“ im Sonnbühel für 800 Euro.

Ein beliebter Treffpunkt auch für erfolgreiche Athleten ist The Londoner mit den „Boots of Beer“ (zwei Liter für 25 Euro).

Es gibt auch ruhigere und günstigere Alternativen: Eine Fahrt im derzeit aufgebauten Kitzbüheler Riesenrad kostet 10 Euro, eine Eintrittskarte für den Film „Downhill Skiers“ im Filmtheater Kitzbühel 8,60 Euro und ein Besuch im sehenswerten Museum mit der Sammlung Alfons Walde 9 Euro. Oder man engagiert sich für einen guten Zweck: Bei Arnold Schwarzeneggers Charity-Veranstaltung für den Klimaschutz am Donnerstag sollen wie im Vorjahr 1,55 Millionen Euro gesammelt werden. Bei der Kitz Charity Trophy wurden zuletzt 310.000 Euro für in Not geratene Bergbauern zusammengetragen.

Zusammenfassend hat Kitzbühel seinen Preis. Dennoch präsentieren sich andere Weltcuporte wie Courchevel, Vail oder Cortina d’Ampezzo noch exklusiver.

Für die Sportler bleibt jedoch Kitzbühel der einzige Ort, an dem sie wirklich große Summen verdienen können.