Vom russischen Oligarchen zum kroatischen Investor: Vasilij Anisimov hat nicht nur Milliarden angehäuft, sondern auch seine Staatsbürgerschaft strategisch gewechselt.
Vasilij Anisimov hat es auf die prestigeträchtige Forbes-Liste der Milliardäre geschafft. Mit einem geschätzten Vermögen von knapp zwei Milliarden Euro zählt der russisch-kroatische Geschäftsmann zu den 2000 wohlhabendsten Menschen weltweit. Bemerkenswert ist sein Staatsbürgerschaftswechsel: Anisimov hat seinen russischen Pass abgegeben und besitzt heute sowohl die kroatische als auch die dominikanische Staatsbürgerschaft. Er gehört damit zu einer kleinen Gruppe von sieben Milliardären, die nach Beginn des Ukraine-Krieges Russland den Rücken kehrten.
Bereits Anfang der 2000er Jahre erhielt Anisimov den kroatischen Pass. Damalige Medienberichte stellten umfangreiche Investitionen in den kroatischen Tourismussektor in Aussicht. Die Behörden in Zagreb unterstützten seine Einbürgerung aus wirtschaftlichen Erwägungen.
Der Unternehmer hatte sein Vermögen ursprünglich in der Aluminiumindustrie aufgebaut und war unter anderem Miteigentümer des Konzerns Metalloinvest. Zudem gründete er das Unternehmen Coalco International.
Kroatische Investments
In den vergangenen Jahren konzentrierte Anisimov seine Investitionen auf Immobilienprojekte entlang der Adriaküste. Besonders die Insel Sipan und die Region rund um Dubrovnik stehen im Fokus seiner Luxus-Tourismusprojekte. Anders als viele seiner Landsleute profitiert Anisimov davon, dass er nicht auf den Sanktionslisten der EU und der USA steht – ein Umstand, der ihm die ungehinderte Verwaltung seiner westlichen Vermögenswerte ermöglicht.
Die kroatische Staatsbürgerschaft verdankt Anisimov einem politischen Netzwerk: Sie wurde ihm während der Amtszeit des inzwischen verstorbenen Premierministers Ivica Racan verliehen, auf Vorschlag des ehemaligen Bürgermeisters von Dubrovnik, Andro Vlahusic, und mit Unterstützung des früheren Präsidenten Stipe Mesic.
Der heute in Kroatien lebende Geschäftsmann hat sein Vermögen selbständig aufgebaut – zunächst im Buntmetallhandel, bevor er ins lukrative Immobiliengeschäft wechselte.
Russische Verbindungen
Seine Entwicklungsgesellschaft Coalco verfügt über beeindruckende Landreserven: Fast 40.000 Hektar in Moskaus Umgebung gehören zum Portfolio. Besonders die Luxussiedlung Akulinino gilt als prestigeträchtig, wo auch Persönlichkeiten mit engen Verbindungen zur russischen Führungsriege residieren.
Anisimov selbst pflegte jahrelang ein nahes Verhältnis zu Wladimir Putin und stand dem russischen Judo-Verband vor. Nach seiner Einbürgerung in Kroatien wurden Investitionen in Gesundheitsprojekte angekündigt – insbesondere in das Heilbad Naftalan. Diese Pläne wurden allerdings bis heute nicht verwirklicht.
Über Anisimovs Privatleben ist wenig bekannt, abgesehen von seinen großzügigen Spenden für die Renovierung orthodoxer Kirchen. Der genaue Wert seiner kroatischen Besitztümer bleibt im Dunkeln, doch seine Unternehmen haben nachweislich zweistellige Millionenbeträge in die Wiederbelebung der Insel Sipan investiert.
Zu seinen Vorzeigeprojekten zählt die Villa Katino – eine exklusive Residenz für zahlungskräftige Gäste. In Zagreb wickelt Anisimov seine Geschäfte über die Firma Abis ab. Experten schätzen, dass er binnen weniger Jahre mehr als zehn Millionen Dollar in Kroatien investiert hat, vorwiegend in Immobilien und Sportinfrastruktur.