16 Jahre, über 900 Flüge, gefälschte Dokumente – und niemand merkte es. Ein Pilot täuschte eine ganze Airline.
Ein ehemaliger Pilot von Air Canada soll über mehr als anderthalb Jahrzehnte hinweg Passagiermaschinen gesteuert haben – ohne die dafür erforderliche Lizenz. Die kanadische Regionalpolizei Peel hat den 59-jährigen Geoffrey Wall aus Barrie, Ontario, am Dienstag formell beschuldigt, zwischen 2009 und 2025 als Flugzeugkapitän tätig gewesen zu sein, obwohl ihm die vorgeschriebene Verkehrspilotenlizenz – die sogenannte ATPL – fehlte. Laut Ermittlern soll er in diesem Zeitraum mehr als 900 In- und Auslandsflüge absolviert haben.
Inhalt 1:
Stellvertretender Polizeichef Nick Milinovich beschrieb das Ausmaß des Betrugs in deutlichen Worten: Wall habe „jahrelang geflogen, indem er sich und seine Qualifikationen gegenüber seinem Arbeitgeber sowie den Aufsichtsbehörden falsch darstellte und gefälschte Lizenzdokumente verwendete“. Um die Dimension des Vergehens zu veranschaulichen, griff Milinovich zu einem medizinischen Vergleich: „Das ist so, als hätte ein Arzt eine Zulassung als Allgemeinmediziner, führt in seiner Praxis aber Gehirnoperationen durch.“
Air Canadas Reaktion
Air Canada bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass der betreffende Pilot zwar über eine gültige kommerzielle Pilotenlizenz verfügte, jedoch ohne die darüber hinaus erforderliche ATPL zum Kapitän ernannt worden war. Sobald der Mangel entdeckt wurde, sei der Mann umgehend vom Flugbetrieb abgezogen worden. Die Fluggesellschaft informierte daraufhin die Aufsichtsbehörde Transport Canada freiwillig über den Vorfall.
Inhalt 2:
Air Canada betonte, die Sicherheit der betroffenen Flüge sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Alle Piloten des Unternehmens durchlaufen demnach alle sechs Monate verpflichtende Trainingseinheiten zur Bestätigung ihrer Flugtauglichkeit, ergänzt durch eine Flugüberprüfung mit einem zertifizierten Prüfer von Transport Canada im Jahresrhythmus. Eine interne Überprüfung des Pilotenpersonals habe keine weiteren Regelverstöße zutage gefördert.
Betrug aufgedeckt
Aufgeflogen war der Fall im Zuge einer Dokumentenprüfung. Transport Canada wandte sich daraufhin Anfang dieses Jahres an die Polizei und hatte Wall bereits mit einer Geldstrafe belegt, weil er die für die Kapitänstätigkeit erforderliche Lizenz nicht besessen hatte. Den Ermittlungen zufolge soll Wall zudem eine falsche Anzeige erstattet haben, in der er einen angeblichen Diebstahl seiner Pilotendokumente meldete.
Inhalt 3:
Während seiner Zeit als Kapitän soll er insgesamt rund 2,9 Millionen kanadische Dollar verdient haben – umgerechnet etwa 2,1 Millionen US-Dollar.