Ein düsteres Szenario zeichnet sich ab, wenn man den aktuellen Äußerungen ukrainischer und baltischer Offizieller Glauben schenkt. Die Bedrohung durch Russland greift weiter um sich. Estland, Lettland und Litauen rüsten sich, während die NATO um Schlagkraft ringt.

Bereits 2015, kurz nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland, mahnte der frühere litauische Staatspräsident Vytautas Landsbergis zur Unterstützung der Ukraine und zur Wachsamkeit gegenüber Russland. Am Montag, mitten in dem weiterhin schwelenden Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, zeigen sich die Konsequenzen dieser Warnungen.
Russland-Problematik im Baltikum
Der litauische Außenminister Gabrielus Landsbergis signalisiert Alarmbereitschaft. Das Baltikum spürt, dass der Krieg vor der Tür steht. Dies wird verstärkt durch die Einschatzung des ukrainischen Generalmajors Vadym Skibitsky. Dieser hält eine russische Invasion des Baltikums innerhalb von nur sieben Tagen für möglich. Eine Zeitspanne, in der die NATO-Reaktionskräfte laut Skibitskys Einschätzung noch nicht einsatzbereit sein würden.
Bunker und Panzersperren
In Erwartung einer Eskalation, die auch durch Russlands geschichtliche Interpretation des „Tags des Sieges“ angeheizt wird, rüsten die baltischen Staaten auf. Mit einem Netz aus Bunkern an der Grenze zu Russland und Planen für eine schnelle Verteidigungslinie reagieren sie auf die Geopolitik der Region. Die NATO konzentriert ihre Bemühungen auf eine rasche Verlegung von Verstärkungen im Krisenfall. Der Krieg in der Ukraine hat die Bedeutung effektiver, statischer Verteidigungsanlagen unterstrichen.
Unterschiedliche Strategien
Während sich Litauen, Estland und Lettland auf ihre militärische Verteidigung konzentrieren und sogar ein Austritt aus der Ottawa-Konvention zur Landminenverbannung erwogen wird, sieht der ukrainische Generalmajor Skibitsky neben der dringenden Aufstockung militärischer Ausrüstung auch Verhandlungen als einen notwendigen Schritt an.
Folgen für die baltische Sicherheitslage
Im historischen Kontext betrachtet, steht die russische Militärpräsenz im Baltikum symbolisch für die sowjetische Vergangenheit und die bis heute andauernden Spannungen zwischen Russland und seinen Nachbarn. Die hohe Anzahl ethnischer Russen in den baltischen Staaten kompliziert die Situation weiter und weckt Befürchtungen einer ähnlichen Vorgehensweise des Kremls wie bei der Krim.
Reicht die Abschreckung aus?
Die Hoffnung bleibt, dass die defensive Aufrüstung des Baltikums und die Solidarität innerhalb der NATO ausreichen, um Russland von weiteren Aggressionen abzuschrecken. Der Bau der Bunkeranlagen und die Planung von Panzersperren konnten ein starkes Signal senden. Dennoch ist die Frage, ob dies genügt, um Putin von einer weiteren Expansionspolitik abzuhalten, noch unbeantwortet.
