Vom Millionenseller zum Auslaufmodell: Der VW Golf verliert massiv an Bedeutung. Die Produktion brach um 75 Prozent ein – jetzt droht die Verlagerung nach Mexiko.
Der Volkswagen Golf verliert dramatisch an Bedeutung. Das einstige Aushängeschild des Konzerns, das seit 1974 mehr als 37 Millionen Mal vom Band lief, befindet sich im steilen Sinkflug. Während 2015 noch über eine Million Exemplare produziert wurden, schrumpfte die Jahresproduktion auf nur noch rund 300.000 Fahrzeuge.
Für 2025 rechnen Branchenexperten mit einem weiteren Rückgang auf 250.000 Einheiten – ein Einbruch um 75 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts.
Die VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo blickt mit Sorge auf diese Entwicklung und drängt auf eine Produktionsverlagerung nach Mexiko. Mehrere Faktoren haben zum Niedergang des Kompaktwagens beigetragen: Die achte Golf-Generation kämpfte mit erheblichen Softwareproblemen, während Kunden gleichzeitig eine Verschlechterung der Innenraumqualität im Vergleich zum Vorgängermodell bemängelten.
Auch der Verzicht auf klassische Bedienelemente zugunsten von Touchflächen stieß bei vielen Käufern auf Ablehnung.
SUV-Trend dominiert
Parallel dazu verändert sich der Geschmack der Autokäufer grundlegend. SUVs und Crossover-Modelle dominieren zunehmend den Markt. Der T-Roc, quasi die höhergelegte Golf-Variante, erreicht in Europa beinahe die Verkaufszahlen des klassischen Kompaktwagens.
Im vergangenen Jahr wurden europaweit 216.549 Golf verkauft – nur 13.000 mehr als vom T-Roc. Selbst als Cabrio kann sich der T-Roc mittlerweile erfolgreich behaupten.
Volkswagen reagiert auf diese Entwicklung mit einer strategischen Neuausrichtung: Ab 2027 soll die Produktion des Verbrenner-Golf von Wolfsburg nach Puebla in Mexiko verlagert werden. Für das Stammwerk könnte dies eine Vier-Tage-Woche bedeuten, wo derzeit noch Tiguan und Touran gefertigt werden. Erst zum Ende des Jahrzehnts soll der Golf in seiner neunten Generation als vollelektrisches Modell nach Wolfsburg zurückkehren – gemeinsam mit dem elektrischen T-Roc.
Arbeitsplatzabbau folgt
Gleichzeitig setzt der Konzern den Rotstift an. VW plant, bis 2030 rund 35.000 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Über 20.000 Mitarbeiter haben bereits einer vorzeitigen Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses in den kommenden fünf Jahren zugestimmt. Die Jahresproduktion in Deutschland soll bis 2030 um 700.000 Fahrzeuge sinken – ein Großteil davon durch die Verlagerung der Golf-Fertigung nach Mexiko.
Die Zukunft des Golf hängt nun entscheidend davon ab, wie erfolgreich Volkswagen die Elektrifizierung des Traditionsmodells gestaltet und ob es gelingt, sich gegen den anhaltenden SUV-Trend zu behaupten.
Die strategische Neuausrichtung wird zeigen, ob der Golf auch in den kommenden Jahrzehnten eine zentrale Rolle im VW-Portfolio spielen kann.