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Bildungswende

Bildungskrise: Nur 44 Prozent der neuen Lehrer voll ausgebildet

Bildungskrise: Nur 44 Prozent der neuen Lehrer voll ausgebildet
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Während der Lehrermangel leicht nachlässt, zeigt sich ein überraschendes Phänomen: Immer mehr Lehramtsstudierende unterrichten bereits vor ihrem Abschluss an Österreichs Schulen.

Der Anteil der Lehramtsstudierenden bei Neuanstellungen im Bildungsbereich ist deutlich auf über 27 Prozent gestiegen, was einem Plus von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) interpretiert das wachsende Interesse am Lehramtsstudium und am Quereinstieg als eine „Renaissance des Lehrerberufs“. Die Situation des Lehrermangels hat sich im aktuellen Schuljahr erstmals leicht entspannt. Allerdings konnten die rund 4100 offenen Stellen im Herbst nur zu einem geringen Teil mit voll qualifiziertem Personal besetzt werden – lediglich 44 Prozent der Neueinstellungen waren Lehramtsabsolventen, was einen Rückgang gegenüber den Vorjahren darstellt.

Im Vergleich dazu verfügten im Schuljahr 2022/23 noch 56 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte über eine vollständige pädagogische Ausbildung, im Jahr davor waren es laut Daten des Bildungsministeriums 51 Prozent. Das Ministerium erklärt den aktuellen Rückgang vor allem im Pflichtschulbereich damit, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche angehende Pädagogen bereits während ihres Studiums eine Anstellung erhielten, wodurch sich der Pool an Absolventen, die nach Studienabschluss für Neuanstellungen zur Verfügung stehen, automatisch verkleinert habe.

Studierende als Lehrkräfte

Gleichzeitig verzeichnen die Schulen einen markanten Anstieg bei der Einstellung von Lehramtsstudierenden, deren Anteil mit über 27 Prozent deutlich über den Werten der Vorjahre liegt. Eine erstmals durchgeführte Erhebung des Ministeriums zeigt, dass der Großteil dieser Studierenden bereits mindestens zwei Studienjahre (120 ECTS-Punkte) absolviert hat. Zum Verständnis: Ab dem kommenden Jahr soll die Lehrerausbildung generell aus einem dreijährigen Bachelor- und einem zweijährigen Masterstudium bestehen, während für den Unterricht in der Sekundarstufe derzeit noch ein Modell mit vier plus zwei Jahren gilt.

Trotz einer Rekordzahl an Bewerbungen ist der Anteil der Quereinsteiger mit zwölf Prozent nur geringfügig angestiegen. Das 2022 als Reaktion auf den Lehrermangel eingeführte Quereinsteigerprogramm ermöglicht es Personen mit fachlich passender akademischer Bildung und entsprechender Berufserfahrung, bei regulärer Bezahlung an Schulen zu unterrichten – unter der Bedingung, dass sie berufsbegleitend eine pädagogische Qualifikation erwerben. Voraussetzung ist eine Zertifizierung durch eine Kommission, die früher auch für Fächer ohne Lehrermangel möglich war. Seit Herbst ist die Zahl neuer Zertifizierungen begrenzt, wobei Mangelfächer wie Deutsch oder Informatik priorisiert werden.

Wiederkehrs Ziele

Für das laufende Schuljahr waren insgesamt knapp 4.100 Vollzeitstellen ausgeschrieben – fast 600 weniger als im Vorjahr. Insgesamt wurden fast 5.800 Personen neu eingestellt. Minister Wiederkehr äußerte sich grundsätzlich zufrieden mit der Ausschreibung und meint, die kritischste Phase des Lehrermangels scheine überwunden zu sein. Als nächstes Ziel hat er sich die Steigerung der Neuanstellungen von Lehramtsabsolventen gesetzt.

„Die Zahl der Studierenden, die bereits unterrichten, möchten wir reduzieren und mittelfristig dafür sorgen, dass das Bachelorstudium vor Beschäftigungsbeginn in der Schule abgeschlossen werden muss“, betonte der Minister.

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KO KOSMO-Redaktion
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