Silvester endet für Hunderte Österreicher im Krankenhaus – besonders junge Menschen zahlen einen hohen Preis für das bunte Spektakel am Nachthimmel.
Jährlich enden für 200 bis 400 Menschen in Österreich die Silvesterfeierlichkeiten im Krankenhaus. Die traditionellen Feuerwerke zum Jahreswechsel fordern regelmäßig ihren gesundheitlichen Tribut, wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) am Freitag mitteilte. Besonders alarmierend: Etwa zwei Drittel der Verletzten sind jünger als 25 Jahre. Die größte Risikogruppe bilden mit 51 Prozent die 15- bis 24-Jährigen, gefolgt von Kindern bis 14 Jahre, die weitere 15 Prozent der Verletzten ausmachen.
Die Verletzungsmuster durch Feuerwerkskörper sind vielfältig und oft schwerwiegend. Betroffene erleiden tiefe Schnittwunden, teilweise Amputationen von Fingern, Knalltraumata, Augenverletzungen sowie offene Brüche und Verbrennungen im Gesicht und an den Händen. In 78 Prozent der Fälle sind die Hände betroffen. KFV-Direktor Christian Simanofsky betont: „Das heißt, dass Kinder und Jugendliche alarmierend früh mit Pyrotechnik in Kontakt kommen und sie Zugang zu Pyrotechnik haben, zu der sie vielfach keinen Zugang haben sollten. Wir müssen das Bewusstsein für die Gefahren schärfen und Händler wie Erziehungsberechtigte an ihre Sorgfaltspflicht erinnern.“
Die jüngsten Unfallberichte in den Medien zeigen laut KFV ein besorgniserregendes Muster: Viele Jugendliche hantieren mit verbotenen Blitzknallsätzen oder professionellen Feuerwerkskörpern der Kategorien F3 und F4, zu denen sie keinen legalen Zugang haben dürften. Auffällig ist zudem die Geschlechterverteilung: 92 Prozent der Verletzten sind männlich. Dabei gilt in Österreich eine klare Altersregelung – erst ab zwölf Jahren dürfen Kinder überhaupt Feuerwerkskörper der harmlosesten Kategorie F1 wie Wunderkerzen oder Knallerbsen verwenden.
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Gefährliche Auslandskäufe
Besonders riskant sind im Ausland erworbene Pyrotechnikartikel und selbstgebastelte Feuerwerkskörper. Eine aktuelle Erhebung des Instituts für empirische Sozialforschung zeigt, dass 14 Prozent der Befragten bereits Feuerwerkskörper im Ausland gekauft haben und sogar 25 Prozent einen solchen Kauf planen. Als Hauptgründe werden günstigere Preise und stärkere Effekte genannt. Das KFV warnt ausdrücklich vor Online-Käufen, da der Versand von Pyrotechnik an Privatpersonen in Österreich verboten ist.
Selbstgebastelte Feuerwerkskörper stellen ein weiteres erhebliches Risiko dar. Dennoch haben laut KFV-Untersuchung sieben Prozent der Befragten bereits eigene Pyrotechnik hergestellt – nicht immer ohne Folgen. „Das eigenhändige Herstellen, Zerlegen oder Manipulieren von pyrotechnischen Gegenständen ist aus gutem Grund strikt untersagt“, betont Simanofsky. Hinzu kommen gravierende Wissenslücken: Etwa 80 Prozent der Befragten glauben fälschlicherweise, dass Feuerwerkskörper der Kategorie F2 wie Böller oder Raketen überall im Ortsgebiet erlaubt seien.
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Verbreitete Unwissenheit
Noch bedenklicher: 30 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sogar Pyrotechnik der höchsten Kategorien F3 und F4 ohne Genehmigung im besiedelten Gebiet verwendet werden darf. Auch beim Umgang mit Feuerwerkskörpern herrscht Unwissen: Rund 93 Prozent zünden Raketen unsicher, etwa in Sektflaschen oder direkt am Boden. Das Zünden unter Alkoholeinfluss erhöht das Risiko zusätzlich.
Besonders beunruhigend ist die Situation in Haushalten mit Kindern: In 55 Prozent der befragten Familien sind Kinder beim Zünden anwesend, bei 17 Prozent sogar im unmittelbaren Gefahrenbereich von weniger als fünf Metern. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen zu langes Festhalten von Feuerwerkskörpern, defekte oder verzögert explodierende Pyrotechnik sowie falsch entsorgte Artikel.
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Thomas Köchl, Vertreter des Pyrotechnikhandels, appelliert daher an die Verbraucher: „Abgeschossene Feuerwerkskörper sind zwecks Unterstützung der Gemeinden und Entlastung der Umwelt unbedingt im Restmüll zu entsorgen.“