Fast 5.000 ausländische Militärtransporte durchquerten im vergangenen Jahr österreichisches Staatsgebiet. Das Verteidigungsministerium verweist auf die Rechtmäßigkeit dieser Vorgänge, während die FPÖ darin eine Gefährdung der österreichischen Neutralität sieht.
Konkret wurden laut Angaben des Verteidigungsministeriums zwischen 1. Jänner und 10. November 4.967 militärische Transporte ausländischer Streitkräfte durch Österreich genehmigt. An diesen Transitbewegungen waren Militärfahrzeuge aus 22 verschiedenen Nationen beteiligt. Jeder einzelne Transitantrag wurde einem Prüfverfahren unterzogen und „gemäß den Bestimmungen des Truppenaufenthaltsgesetzes sowie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten genehmigt“.
Das Ministerium betont, dass diese Transporte verschiedenen Zwecken dienten – darunter der Teilnahme an Übungs- und Ausbildungsvorhaben, wissenschaftlichen und sportlichen Veranstaltungen sowie der logistischen Versorgung und Verlegung von Truppenteilen in andere Staaten. Eine direkte Durchfuhr militärischer Güter in kriegführende Länder über österreichisches Territorium sei nicht genehmigt worden.
Obwohl damit formal alle rechtlichen Vorgaben erfüllt wurden, bleibt die politische Frage offen, inwieweit die Glaubwürdigkeit der österreichischen Neutralität angesichts dieser umfangreichen militärischen Bewegungen noch gewahrt ist.
⇢ Brüssel zeigt Muskeln: Milliarden-Paket für Grönland nach Trump-Rückzug
Die Bundesregierung interpretiert diese Transporte als notwendigen Teil internationaler Kooperation, während Kritiker darin eine schrittweise Aushöhlung neutralitätspolitischer Grundsätze erkennen.
Internationale Vernetzung
Gleichzeitig war das österreichische Bundesheer selbst international stark vernetzt. Für Ausbildungs- und Übungszwecke wurden 704 Entsendungen in 44 Länder durchgeführt, an denen etwa 2.400 Soldaten teilnahmen. Zusätzlich beteiligte sich das Bundesheer an 35 internationalen Übungen, begleitet von 102 Planungskonferenzen, Workshops und Erkundungen mit insgesamt 1.202 beteiligten Personen.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) verteidigt diese Aktivitäten als sicherheitspolitisch notwendig. Die internationalen Transporte und Entsendungen seien „Teil einer gelebten sicherheitspolitischen Realität“ und erfolgten „rechtskonform, transparent und unter konsequenter Wahrung der Neutralität“. Ohne diese internationale Zusammenarbeit wäre das Bundesheer „schlechter ausgebildet, weniger einsatzbereit und Österreich insgesamt weniger sicher“.
Politischer Streit
Die FPÖ vertritt eine deutlich gegensätzliche Position. Generalsekretär Christian Hafenecker bezeichnet die Situation als „permanenten Anschlag auf unsere immerwährende Neutralität“ und wirft der Regierung „fortlaufenden Neutralitätsverrat“ vor. Er fordert, Österreich müsse zu einer „No-Transport-Zone“ für Kriegsgeräte werden.
ÖVP-Wehrsprecher Friedrich Ofenauer konterte diese Kritik als „Theaterdonner“ und verwies darauf, dass es unter dem freiheitlichen Verteidigungsminister Mario Kunasek vergleichbare Transporte gegeben habe.