Wenn die Seele schmerzt, greift jeder Fünfte zur Flasche. Eine neue Wiener Studie enthüllt den gefährlichen Zusammenhang zwischen Depression und Alkoholkonsum in Österreich.
Der Verzicht auf Alkohol muss nicht bedeuten, dass man auf den Genuss eines Rotweins verzichten muss – dank Entalkoholisierung. Der Wiener Psychiater Michael Musalek, früher ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts, hat bereits vor Jahren einen wichtigen Zusammenhang hergestellt: „Die allermeisten Menschen trinken in Österreich nicht, weil es so gut schmeckt, sondern weil sie die Wirkung der Substanz Alkohol brauchen“, erklärte er. „In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass Depressionen und Burn-out nicht so sehr die Folge einer Alkoholkrankheit sind, sondern dass sie die Ursachen eines hohen Alkoholkonsums sind.“ Problematisch dabei: In höheren Dosen fördert Alkohol selbst depressive Zustände, was häufig in einen gefährlichen Teufelskreis mündet.
Eine neue Netzwerkanalyse mit über 2.000 Teilnehmern bestätigt nun wissenschaftlich, was viele Experten bereits vermuteten: Viele Österreicher greifen zum Alkohol als ungeeignetes Mittel gegen depressive Verstimmungen. Die Untersuchung zu psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter wurde von Marina Zeldovich von der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft der Sigmund Freud Universität Wien gemeinsam mit Fachleuten anderer Universitäten durchgeführt und im Journal of Affective Disorders publiziert. Die Wissenschaftler erklären darin: „Alkoholmissbrauch wird zunehmend als eine maladaptive Form der Affektregulation verstanden. Diese Studie untersucht das Zusammenspiel von Alkoholmissbrauch, psychischen Symptomen und Alter in einer repräsentativen Stichprobe österreichischer Erwachsener und nutzt dabei Netzwerkanalysen, um diese Zusammenhänge zu modellieren.“
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Umfassende Studiendaten
Die Forschungsarbeit stützt sich auf Daten von 2.007 Personen, davon 49 Prozent Frauen, mit einem Durchschnittsalter von 48,2 Jahren. Diese stammten aus einer im vergangenen Frühjahr veröffentlichten wissenschaftlichen Untersuchung zum Thema psychische Gesundheit und Smartphone-Nutzung. Mittels spezieller Fragebögen wurden Alkoholkonsum, depressive Symptome, Angstzustände, Schlafprobleme und Stresslevel erfasst.
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Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden etwa zwölf Prozent der österreichischen Bevölkerung unter Alkoholmissbrauch, während 5,8 Prozent als alkoholabhängig gelten. Die Studienautoren betonen, dass immer mehr Forschungsergebnisse darauf hindeuten, dass Alkohol häufig als Bewältigungsstrategie für emotionale Belastungen eingesetzt wird.
Eindeutige Ergebnisse
Die aktuellen Forschungsergebnisse liefern eindeutige Belege für diese Annahme: „Insgesamt wiesen 21 Prozent der Teilnehmenden ein positives Screening-Ergebnis für Alkoholmissbrauch auf.“ Die Auswertungen ergaben, dass „Personen mit Verdacht auf Alkoholabhängigkeit höhere Werte für Depression, Angst, Stress und Schlaflosigkeit angaben und jünger“ waren. Diese Korrelation zeigte sich durchgängig in allen wissenschaftlichen Fragekatalogen zu den verschiedenen psychischen Beschwerden.
Eine detaillierte Netzwerkanalyse offenbarte schließlich „einen starken Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und depressiven Symptomen“. Dabei kristallisierten sich Depressionen und Angstzustände als zentrale Knotenpunkte heraus. Mit steigendem Alter schwächte sich die Verbindung zwischen Alkoholkonsum und psychischer Belastung tendenziell ab. Bemerkenswert ist, dass keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt wurden.
Die Untersuchung belegt eine ausgeprägte Korrelation zwischen übermäßigem Alkoholkonsum und depressiven Symptomen.
Während das Alter diesen Zusammenhang abschwächt, konnten keine nennenswerten geschlechtsspezifischen Unterschiede nachgewiesen werden.