Ein Sonntagabend in Sooß, ein Notruf, vier Kinder ohne Mutter. Österreich trauert um eine weitere Frau, die ihr Leben verlor.
Am frühen Sonntagabend fanden Polizisten in Sooß, einer kleinen Gemeinde nahe Baden, eine leblose Frau im Garten eines Wohnhauses. Zuvor hatte ein Mann bei der Notrufzentrale angerufen und mit wenigen, nüchternen Worten einen Mord gemeldet. Als die Beamten eintrafen, lag die Frau tot auf dem Rasen – dunkle Schleifspuren zogen sich durch das Gras. Ihr Ehemann stand daneben, sichtlich aufgewühlt. Es war der nächste Femizid in Österreich.
Die 38-jährige Mutter von vier gemeinsamen Kindern wies Verletzungen am Kopf auf, darunter offenbar mehrere Stich- und Schusswunden. Der kosovarisch-stämmige österreichische Staatsbürger, der den Notruf abgesetzt hatte, bestritt die Tat zunächst, gestand dann aber gegenüber den Ermittlern, die Trennung im Jahr 2019 nie verwunden und seiner Frau die Schuld daran gegeben zu haben. „Ich hasse sie!“, soll er dabei geäußert haben. Bei ihm wurde eine Neun-Millimeter-Pistole sichergestellt, die er nach eigenen Angaben von einer unbekannten Person erworben hatte. Als weitere Tatwaffe nannte er einen Schraubenzieher. Die Unschuldsvermutung gilt.
Fassungslose Gemeinde
In der rund 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde Sooß kannten viele die Familie. Die Frau war kein stilles Mitglied der Dorfgemeinschaft – sie galt als aufgeschlossen und herzlich. „Sie war immer sehr fröhlich, nett“, berichtet ein Bewohner. „Wir sind alle fassungslos, was hier passiert ist.“
Auf ihrem Facebook-Profil hatte sie unter ein Foto geschrieben: „Lebe, liebe lache.“ Ein älteres Profilbild trug die Botschaft: „Die schönsten Dinge im Leben sind kostenlos: Umarmungen, Lächeln, Freunde, Familie, Schlaf, Küsse, Liebe, Lachen, schöne Erinnerungen.“
Ermittlungen laufen
Am Montag bestätigte Erich Habitz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, gegenüber „Heute“ die Festnahme des Tatverdächtigen sowie die Anordnung einer Obduktion und die Stellung eines Untersuchungshaftantrags. Auch Bürgermeister Hermann Rauch wandte sich gegenüber „Heute“ zu Wort: „Das ist in Worte nicht zu beschreiben.“
Die vier minderjährigen Kinder, die nach der Tat zurückblieben, wurden von der zuständigen Jugendwohlfahrt der Bezirkshauptmannschaft Baden betreut.