Der Kampf um die Addiko Bank ist entschieden – Raiffeisen setzt sich durch, und ein Milliardendeal bekommt seine finale Form.
Der monatelange Bieterkampf um die Addiko Bank neigt sich dem Ende zu – und die Würfel sind so gut wie gefallen. Die Raiffeisen Bank International hat die entscheidende Aktionärsmehrheit gehalten und damit die letzte ernsthafte Hürde auf dem Weg zur erfolgreichen Übernahme genommen. Die RBI beziffert den Gesamtwert ihres Übernahmeangebots einschließlich einer möglichen vertraglichen Nachzahlung mit rund 517 Millionen Euro.
Laut einer aktuellen Mitteilung der RBI lagen bis zum 27. Juli um 9.30 Uhr Annahmeerklärungen für insgesamt 10.720.581 Aktien vor, was einem Anteil von 55,58 Prozent aller vom Angebot erfassten Addiko-Aktien entspricht. Damit bleibt die Bank klar über der vertraglich festgelegten Mindestschwelle von 55 Prozent – einer zentralen Bedingung für das Gelingen der Transaktion.
Bis zum 23. Juli hatten jene Aktionäre, die ihre Anteile bereits der RBI angeboten hatten, die Möglichkeit, ihre Entscheidung zu revidieren und stattdessen das Konkurrenzangebot der slowenischen NLB anzunehmen. Dass dies in nennenswertem Umfang geschehen wäre, lässt sich den neuen Zahlen nicht entnehmen – Raiffeisen hält die Schwelle.
Hinweis fehlt
Aufschlussreich ist auch, was in der jüngsten Mitteilung fehlt: In früheren Veröffentlichungen hatte die RBI noch darauf hingewiesen, dass aus „technischen Gründen“ noch Annahme- oder Rückzugserklärungen eingehen könnten, die vor Fristablauf abgeschickt worden waren. Genau dieser Vorbehalt hatte zuletzt die theoretische Möglichkeit einer Ergebniskorrektur offengehalten. Das Weglassen dieses Hinweises legt nahe, dass die Bearbeitung aller fristgerecht eingereichten Erklärungen im Wesentlichen abgeschlossen ist und keine Änderungen mehr zu erwarten sind, die das RBI-Angebot noch gefährden könnten.
Formal läuft das Angebot noch bis zum 29. Juli um 17 Uhr. Der entscheidende Teil des Prozesses aber gilt als abgeschlossen. Die Addiko Bank wird damit neue Eigentümer bekommen: die RBI gemeinsam mit dem serbischen Investor Davor Macura, die im Vorfeld eine Vereinbarung über die gemeinsame Übernahme und die anschließende Aufteilung des Geschäfts getroffen haben.
Aufteilung der Märkte
Dem vereinbarten Plan zufolge wird die RBI die Addiko-Töchter in Kroatien und Slowenien übernehmen, während Macura die Kontrolle über die Banken in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro erhält.
Für Bosnien-Herzegowina kommt dieser Transaktion besondere Bedeutung zu, da die dortige Addiko-Einheit gemäß der Partnervereinbarung direkt in Macuras Einflussbereich übergeht.