Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Milliardenprojekt

42 Kilometer, 16 Brücken: Bosnien bekommt neue Schnellstraße

42 Kilometer, 16 Brücken: Bosnien bekommt neue Schnellstraße
FOTO: iStock/i-Stockr
3 Min. Lesezeit |

Bosniens bevölkerungsreichster Kanton bekommt eine neue Schnellstraße – und das Vergabeverfahren läuft bereits.

Der Kanton Tuzla, bevölkerungsreichster Kanton Bosnien-Herzegowinas und eines der wirtschaftlich bedeutendsten Gebiete des Landes, soll eine neue Schnellstraße erhalten. Die geplante Verbindung Doboj Ost – Gracanica – Sicki Brod gilt als eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben der Region – und nimmt nun konkrete Formen an.

Die Autoceste FBiH (staatliche Autobahngesellschaft der Föderation BiH) haben ein offenes Vergabeverfahren für die Erstellung des Vorprojekts eingeleitet. Der geschätzte Auftragswert beläuft sich auf 4,1 Millionen Konvertible Mark ohne Mehrwertsteuer, beziehungsweise rund 4,8 Millionen KM inklusive Mehrwertsteuer. Angebote können bis zum 14. September 2026 eingereicht werden; vergeben wird der Auftrag nach dem Kriterium des niedrigsten Preises, ohne elektronische Auktion.

Trassenverlauf & Anbindung

Die neue Schnellstraße soll die Anbindung des nordöstlichen Teils der Föderation BiH grundlegend verbessern. Während die geplante Autobahn Tuzla – Orasje künftig eine leistungsfähige Verbindung zur kroatischen Grenze schaffen wird, ist die neue Trasse als West-Ost-Achse konzipiert: Sie verbindet Doboj mit Tuzla und dem östlichen Landesteil. Das bestehende Straßennetz stößt längst an seine Grenzen – die Magistralstraßen leiden unter hohem Verkehrsaufkommen, zahlreichen Einmündungen, zunehmender Bebauung entlang der Trassen und regelmäßigen Staus, vor allem in den Stoßzeiten.

Laut der bereits vorliegenden Vorplanung wird die Schnellstraße rund 41,8 Kilometer lang sein. Die Trasse beginnt an der Entitätsgrenze bei Klokotnica in der Gemeinde Doboj Ost, führt durch das Gebiet von Gracanica und endet bei Sicki Brod. Dort soll sie an die geplante Autobahn Tuzla – Orasje sowie an die künftige Schnellstraße Sicki Brod – Dubrave – Kalesija angebunden werden. Der Anschluss an die Autobahn ist als überregionaler Kleeblatt-Knotenpunkt vorgesehen.

Technische Herausforderungen

Das Bauvorhaben ist ingenieurtechnisch anspruchsvoll: Entlang der Trasse sind sechs Knotenpunkte – darunter ein Kreisverkehr –, eine Überführung, 25 Unterführungen, 16 Brücken und Viadukte sowie zwei Tunnel geplant. Besonders markant ist ein Viadukt von rund einem Kilometer Länge, der über eine Zone mehrerer Kreuzungen sowie eine Bergbauseilbahn führen soll. Auch eine Brücke über eine bestehende Eisenbahnstrecke ist vorgesehen. Die Autoceste FBiH weisen darauf hin, dass im Zuge der Vorprojektausarbeitung noch Trassenkorrekturen möglich sind – abhängig von den Ergebnissen geodätischer und geologischer Untersuchungen, technischer Optimierungen sowie der Abstimmung mit lokalen Gemeinschaften und der fachlichen Aufsicht.

Die strategische Grundlage für das Projekt wurde bereits 2016 gelegt, als die Regierung der Föderation BiH die Rahmenstrategie für den Verkehr in BiH sowie die Verkehrsstrategie der FBiH verabschiedete. Darüber hinaus ist die Verbindung Doboj – Sicki Brod – Zvornik seit 2015 Bestandteil des indikativen TEN-T-Netzes, das die Länder des westlichen Balkans und die Europäische Union gemeinsam vereinbart haben.

Von der Realisierung des Vorhabens erwartet man sich eine deutliche Verbesserung der Verkehrssicherheit, eine spürbare Entlastung der bestehenden Hauptstraßen, eine schnellere Erreichbarkeit der Industriezonen im Kanton Tuzla sowie insgesamt bessere Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung und die regionale Vernetzung innerhalb Bosnien-Herzegowinas.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen