Jahrzehnte nach Kriegsende ticken in Bosnien und Herzegowina noch immer Tausende Minen im Boden – und ein Ende ist erneut in weite Ferne gerückt.
Bosnien und Herzegowina wird möglicherweise erst im März 2032 vollständig von Landminen befreit sein – und damit fünf Jahre später als zuletzt angepeilt. Der neue Zieltermin ist im Arbeitsprogramm des Zentrums für Minenräumung für das Jahr 2027 festgehalten. Hintergrund ist, dass das Land zuvor eingegangene internationale Verpflichtungen nicht fristgerecht erfüllt hat.
Beim 18. Treffen der Vertragsstaaten der Minenräumungskonvention war Bosnien und Herzegowina noch ein Antrag genehmigt worden, der eine vollständige Räumung bis März 2027 vorsah. Da diese Frist nicht eingehalten werden konnte, wurde im April 2026 beim Komitee für die Umsetzung der Verpflichtungen des Genfer Zentrums ein neuerlicher Antrag auf Verlängerung eingebracht. Dieser sehe einen Plan zur Rückgabe der betroffenen Flächen bis Ende 2031 beziehungsweise spätestens bis 1. März 2032 vor.
Gescheiterte Fristen
Parallel dazu soll im Laufe des Jahres 2027 eine neue nationale Strategie für Minenaktionen erarbeitet werden, die den Zeitraum von 2027 bis 2032 abdeckt. Es ist nicht das erste Mal, dass die gesetzten Fristen verfehlt werden. Bereits die erste Strategie aus dem Jahr 2002 hatte das Ziel ausgegeben, das Land bis 2009 minenfrei zu machen – ohne Erfolg.
Auch der Zeitplan für den Zeitraum 2018 bis 2025 wurde nicht eingehalten, woraufhin das Zieldatum auf 2027 verschoben wurde. Mit dem nun beantragten Aufschub bis 2032 reiht sich die aktuelle Entwicklung in eine lange Serie gescheiterter Terminvorgaben ein.
Programm 2027
Das Arbeitsprogramm für 2027 sieht vor, 55 Quadratkilometer Fläche für die Bevölkerung sicher nutzbar zu machen. Darüber hinaus sind nichttechnische Erkundungsmaßnahmen auf einer Fläche von rund 70,5 Quadratkilometern geplant, die sowohl die Untersuchung minenverdächtiger Gebiete als auch die erneute Überprüfung bestehender Einzelprojekte umfassen. Im Bereich der Minenaufklärung sollen 70.000 Personen über bestehende Gefahren informiert werden.
Ergänzend ist die Aufstellung von 4.500 Warnschildern vorgesehen. Das Programm umfasst außerdem 4.000 Inspektions- und Fachaufsichtsmaßnahmen sowie 1.700 Kontrollen im Zusammenhang mit der Vergabe von Arbeitsberechtigungen und Genehmigungen.
Bereits der Minenräumungsplan für das laufende Jahr 2026 verdeutlicht das Ausmaß der Herausforderung: Für dieses Jahr sind Räumungen auf 75 Quadratkilometern vorgesehen – das entspricht weniger als zehn Prozent der gesamten als minenverdächtig eingestuften Fläche. Wie das Zentrum für Minenräumung mitteilt und Nezavisne novine berichtet, belief sich die verdächtige Gefahrenfläche im Jänner 2026 auf 774,69 Quadratkilometer – das sind 1,51 Prozent des gesamten Staatsgebiets.