Austrian Airlines streicht eine Traditionsroute – und die Chefin macht wenig Hoffnung auf eine Rückkehr. Für Graz hat das Folgen.
Austrian Airlines stellt die Flugverbindung zwischen Wien und Graz mit dem Beginn des Winterflugplans ein. Die Entscheidung sei, so die Unternehmensführung, „unter sorgfältiger Abwägung der Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Graz getroffen“ worden. AUA-Chefin Mann schloss eine Wiederaufnahme der Strecke zu einem späteren Zeitpunkt aus: Sie gehe „ehrlicherweise nicht“ davon aus, dass der Betrieb wieder aufgenommen werde.
Auch ohne Luftfahrtsteuer sehe sie keine Konstellation, unter der diese Verbindung noch einmal profitabel werden könnte. Der letzte Flug auf der Strecke ist für den 23. Oktober geplant.
Verluste & Streichungen
Das Unternehmen verzeichnete in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 94 Millionen Euro. Bereits im ersten Halbjahr 2025 hatte die Airline ein Minus von 44 Millionen Euro ausgewiesen. Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Dienstag erklärte Mann: „Die Irankrise hat uns hart getroffen.“ Ohne den Einsatz von Absicherungsinstrumenten wäre das Defizit noch deutlich höher ausgefallen.
Als direkte Konsequenz aus den anhaltenden Verlusten streicht die AUA ab dem Winterflugplan die „seit Jahren hoch defizitäre“ Strecke Wien–Graz. Zuletzt sei die Verbindung „zu 99 Prozent“ von Umsteigern genutzt worden, so Mann. Sie verwies auf weiterhin bestehende Verbindungen von Graz nach München, Frankfurt und Zürich.
Auf den Strecken nach München und Frankfurt sollen im Winter teilweise größere Flugzeuge eingesetzt werden; nach Zürich sind zwei zusätzliche wöchentliche Flüge vorgesehen. Darüber hinaus werde Eurowings – ebenfalls Teil der Lufthansa-Gruppe – zehn weitere wöchentliche Verbindungen von Graz nach Hamburg, Berlin und Düsseldorf anbieten.
Für die Standorte Klagenfurt und Innsbruck sei es gelungen, für diesen Winter „noch einmal Lösungen finden“ zu können. Dennoch sei es „kein Geheimnis“, dass langfristige strukturelle Lösungen erforderlich seien, betonte Mann. Derzeit entscheide die AUA von „Flugplan- zu Flugplanperiode“.
In Klagenfurt sollen vorerst auch die Spätverbindungen, bei denen die Besatzung am Zielort übernachtet, gestrichen werden – dasselbe gilt für entsprechende Flüge nach Kopenhagen, Warschau und Krakau. Vorübergehend ausgesetzt werden zudem die Verbindungen von Wien nach Tiflis, Keflavik und Porto. Ergänzend kämen „interne Maßnahmen“, darunter „Effizienzsteigerungen im administrativen Bereich“.
Zu laufenden Gesprächen mit der Bundesregierung über eine Entlastung der Branche äußerte sich Mann nicht im Detail. Das Gesprächsklima sei jedoch „sehr konstruktiv“, ihre Gesprächspartner „sehr kompetent“. Die Regierung hatte der österreichischen Luftfahrtbranche im Juni im Rahmen des Doppelbudgets 2027/2028 jährliche Unterstützungszahlungen von 30 Millionen Euro zugesagt. Über die konkrete Verwendung dieser Mittel wurde jedoch noch keine Entscheidung getroffen.
Branchenvertreter hatten wiederholt eine Abschaffung oder zumindest eine Reduktion der nationalen Flugabgabe gefordert. Über eine etwaige Zweckbindung der insgesamt 60 Millionen Euro sei ihr derzeit nichts bekannt, so Mann. Die Flugabgabe sei im Staatshaushalt mit rund 180 Millionen Euro budgetiert – wobei Mann bezweifelte, dass dieser Betrag angesichts des Rückzugs einiger Billigfluglinien tatsächlich erreicht werde.
Eine Reduktion oder Abschaffung der Abgabe würde zudem nicht zwingend vollständig bei den Fluggesellschaften ankommen, da sinkende Preise durch den Wettbewerb einen Teil des Effekts neutralisieren könnten. Auf die Frage nach konkreten strukturellen Lösungen verwies Mann neben der Flugabgabe auch auf die Luftsicherheitsgebühren sowie auf Regulierungsvorhaben auf EU-Ebene.
Deutliche Kritik kam von der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen. Deren Präsident und Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger forderte unter anderem die Abschaffung „oder zumindest eine spürbare Senkung der nationalen Flugabgabe“. AÖV-Vizepräsident und Airport-Graz-Chef Wolfgang Grimus sieht durch die Streckeneinstellung einen konkreten Nachteil für die steirische Exportwirtschaft: „Die Verbindung Graz–Wien war für viele Unternehmen ein essenzieller Bestandteil ihrer internationalen Geschäftsbeziehungen. Gehen solche Verbindungen verloren, kostet das Zeit und möglicherweise die nächsten Aufträge.“
Umsatz & Flottenausbau
Auf der Erlösseite präsentierte sich die AUA in einem deutlich besseren Licht. Der Umsatz legte im Jahresvergleich um vier Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro zu, die Passagierzahl stieg um sechs Prozent auf knapp sieben Millionen. Die Sommernachfrage wurde als „sehr hoch“ bewertet, und es gelinge dem Unternehmen zunehmend, höhere Ticketpreise am Markt durchzusetzen. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management weiterhin mit einem positiven Ergebnis – getragen von der „teilweisen Weitergabe der höheren Kosten und der eigenen, internen Kraftanstrengung“.
Ungeachtet der Sparmaßnahmen setzt die AUA die Modernisierung ihrer Flotte fort. Noch in diesem Jahr sollen zwei weitere Langstreckenflugzeuge vom Typ Boeing 787-9 „Dreamliner“ ausgeliefert werden, womit die Gesamtzahl dieser Maschinen auf fünf steigen würde. Auch ein neuer Airbus A320neo soll im Herbst die Kurz- und Mittelstreckenflotte ergänzen.
Die Embraer-Flugzeuge werden schrittweise aus dem Betrieb genommen.