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Lehrermangel

Schulstart 2026: Wiederkehr optimistisch – doch tausende Stunden noch offen

Schulstart 2026: Wiederkehr optimistisch – doch tausende Stunden noch offen
Foto: iStock, BKA/Florian Schrötter
4 Min. Lesezeit |

Mehr Bewerber, zwei Drittel der Stunden bereits vergeben – vor dem neuen Schuljahr zeichnet sich bei Österreichs Lehrermangel eine Entspannung ab.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) zeigt sich rund einen Monat vor Schulbeginn zuversichtlich, was die Besetzung der offenen Lehrerstellen betrifft. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, erklärte er. Aus dem Bildungsministerium hieß es gegenüber der APA, ein großer Teil der ausgeschriebenen Unterrichtsstunden sei bereits vorläufig oder endgültig vergeben. Insgesamt entwickle sich die Personalsituation derzeit positiver als in den vergangenen Jahren.

Nach Jahren, in denen insbesondere bestimmte Fächer und Regionen stark unter Personalmangel litten, zeichnet sich für das kommende Schuljahr eine weitere Entspannung ab – allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Bundesländern. Seit dem Frühjahr ist auch die Zahl der Interessentinnen und Interessenten deutlich gestiegen: von rund 12.900 auf mittlerweile 18.400 Bewerberinnen und Bewerber. Etwa ein Zehntel davon entfällt auf Quereinsteiger – also Personen mit einem fachlich passenden Studienabschluss und entsprechender Berufserfahrung, die ihre pädagogische Ausbildung berufsbegleitend absolvieren.

Rund sechs Wochen vor Schulbeginn waren laut Ministerium etwa zwei Drittel aller ausgeschriebenen Unterrichtsstunden vorläufig oder endgültig vergeben. Beim verbleibenden Drittel liefen die Bewerbungsverfahren noch oder die Suche nach geeigneten Lehrkräften war noch nicht abgeschlossen. Im Ressort geht man davon aus, dass sich die Besetzungsquote bis zum Schulstart weiter erhöhen wird.

Regional große Unterschiede

Bei der Hauptausschreibung Ende April waren österreichweit zunächst rund 96.900 Unterrichtsstunden ausgeschrieben worden. Durch weitere Ausschreibungsrunden erhöhte sich diese Zahl auf knapp 136.300 Stunden. Das entspricht knapp 6.200 Vollzeitäquivalenten. Da viele Stellen in Teilzeit vergeben werden oder lediglich einzelne Unterrichtsstunden umfassen, verteilen sich diese Stunden insgesamt auf rund 9.000 zu besetzende Posten.

Den größten Anteil der ausgeschriebenen Stunden verzeichnete Wien mit rund 35.000 Stunden. Mit Stand 22. Juli waren davon etwa 66 Prozent fix oder vorläufig vergeben. Deutlich schwieriger gestaltete sich die Personalsuche in Vorarlberg und Oberösterreich. In Vorarlberg waren erst 43 Prozent der rund 12.700 ausgeschriebenen Stunden vergeben. Als zusätzlicher Faktor gilt dort die Konkurrenz durch den nahe gelegenen Schweizer Arbeitsmarkt. In Oberösterreich lag die Quote bei rund 50 Prozent von 22.900 Stunden.

Deutlich höher waren die Besetzungsquoten in anderen Bundesländern: In Niederösterreich waren rund 77 Prozent von 20.700 ausgeschriebenen Stunden vergeben, in Salzburg 75 Prozent von 7.700 Stunden. Tirol erreichte 80 Prozent bei 13.700 Stunden, Kärnten 83 Prozent bei 6.200 Stunden und die Steiermark 85 Prozent bei 10.100 Stunden. Im Burgenland waren von rund 3.700 ausgeschriebenen Stunden etwa 60 Prozent vergeben. Bei den direkt vom Bildungsministerium verwalteten Zentrallehranstalten und Praxisschulen lag die Quote bei rund 86 Prozent von 3.600 Stunden.

Mehrarbeit und Sonderverträge bleiben Thema

Auch in den vergangenen Jahren konnten nicht alle offenen Stellen bis zum tatsächlichen Schulbeginn besetzt werden. Zuletzt blieben im September jeweils zwischen rund 100 und knapp 300 Posten offen. Personallücken in Mangelfächern oder besonders betroffenen Regionen werden daher weiterhin unter anderem durch Mehrdienstleistungen bestehender Lehrkräfte ausgeglichen. Im Schuljahr 2023/24 entsprach das zusätzliche Unterrichtspensum rund 7.000 Vollzeitstellen. Hinzu kommen Lehramtsstudierende, Beschäftigte mit Sonderverträgen sowie seit 2022 auch zertifizierte Quereinsteiger.

Bei den Neuaufnahmen im vergangenen Schuljahr verfügten lediglich 44 Prozent über eine abgeschlossene Lehramtsausbildung mit zumindest einem Bachelorabschluss. Zwölf Prozent waren Quereinsteiger, 27 Prozent befanden sich noch in Ausbildung. Der verbleibende Anteil entfiel auf Beschäftigte mit anderen Sonderverträgen.

Wiederkehr sieht den Quereinstieg grundsätzlich als Bereicherung für den Schulbetrieb, will gleichzeitig aber den Anteil anderer Sonderverträge deutlich reduzieren. Bis 2030 sollen 80 Prozent aller Neuanstellungen auf ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen sowie zertifizierte Quereinsteiger entfallen. Bereits bis 2027 soll die entsprechende Quote auf 65 Prozent steigen.

Um dieses Ziel zu erreichen, will das Bildungsministerium den Lehrberuf attraktiver gestalten, Ausbildungswege modernisieren und zusätzliche Zielgruppen für den Schuldienst gewinnen. Die aktuellen Bewerberzahlen deuten zwar auf eine Entspannung hin – von einer vollständigen Lösung des Lehrkräftemangels kann angesichts der weiterhin großen regionalen Unterschiede jedoch noch keine Rede sein.

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KO KOSMO-Redaktion
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