Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Grenzkontrollchaos

EU-Einreisechaos: Urlauber verpassen reihenweise ihre Anschlussflüge

EU-Einreisechaos: Urlauber verpassen reihenweise ihre Anschlussflüge
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Ein EU-Prestigeprojekt sorgt für Chaos an Europas Flughäfen – und das ausgerechnet mitten in der Hochsaison.

Seit der Einführung des neuen Einreise-/Ausreisesystems der EU haben sich die Wartezeiten an großen europäischen Flughäfen wie Amsterdam, München, Frankfurt oder Rom nahezu verdoppelt. Wie die britische Financial Times berichtet, gerät der reguläre Flugbetrieb zunehmend unter Druck, da immer mehr Passagiere ihre Anschlussflüge verpassen. Das steht in deutlichem Widerspruch zur ursprünglichen Zusage der EU-Kommission, wonach die Kontrolle einer Person bei der Einreise in die EU lediglich 70 Sekunden in Anspruch nehmen sollte.

Die Realität sieht anders aus: Laut Branchenvertretern können die Wartezeiten an EES-Grenzkontrollen in Spitzenzeiten bis zu fünf Stunden betragen, was bereits zu verpassten Anschlussflügen führt.

Das EES (EU-Einreiseerfassungssystem) war als einheitliches System zur Erfassung aller Ein- und Ausreisen konzipiert worden – mit dem Ziel, die Sicherheit zu erhöhen und illegale Migration, Asylbetrug sowie Terrorismus wirksamer zu bekämpfen.

Chaos in der Hochsaison

Mitten in der Hochsaison zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Seit Wochen häufen sich bei Flughäfen und Fluggesellschaften die Klagen über stundenlange Verzögerungen und Verspätungen. Besonders Urlauber aus Großbritannien und den USA, die in den Sommermonaten scharenweise in beliebte EU-Reiseziele wie Griechenland oder Italien strömen, sind zunehmend beunruhigt, dass die Einreisekontrollen ihren Urlaub von Beginn an belasten könnten.

Für viele Fluglinien steht damit das Kerngeschäft auf dem Spiel – darunter auch die irische Billigfluglinie Ryanair. Deren Chef Michael O’Leary hatte sich bereits gegenüber Investoren unmissverständlich geäußert: „Nur die Europäer können so einen Sch… erfinden.“

Ausnahmen und Verzögerungen

Einzelne Flughäfen, vor allem auf griechischen Inseln, haben bereits zu Beginn der Urlaubssaison damit begonnen, die verschärften Kontrollen faktisch zu unterlaufen – indem sie auf die eigentlich verpflichtende Abnahme von Fingerabdrücken verzichten. Länder wie Spanien, Griechenland und Italien haben sich in Brüssel das Recht gesichert, die EES-Kontrollen in Ausnahmesituationen vollständig auszusetzen. Diese Ausnahmeregelungen könnten nun bis weit in den Herbst verlängert werden – nicht zuletzt, um politischen Unmut zu vermeiden, denn das EES gilt als zentrales Element des EU-Asyl- und Migrationspakts.

Seit der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 wird an diesem Vorzeigeprojekt gearbeitet, doch politische Auseinandersetzungen haben eine Einigung in wesentlichen Fragen immer wieder blockiert. Auch der ursprünglich für 2022 geplante Start des Systems scheiterte an technischen Problemen. Dass es an den Flughäfen zu einem Engpass kommen würde, zeichnete sich nach Einschätzung von Fachleuten schon lange ab – die anfallenden Datenmengen galten von Anfang an als kaum beherrschbar.

Ein Vertreter der Flughafenbetreiber übte scharfe Kritik daran, dass die praktischen Herausforderungen von Beginn an systematisch ausgeblendet worden seien.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen