Eine anonyme Karte sorgt in politischen Kreisen für Aufsehen – und stellt die territoriale Ordnung Bosniens grundlegend infrage.
Eine anonyme Karte kursiert derzeit in politischen Kreisen und schlägt eine grundlegende Neuordnung Bosnien und Herzegowinas vor: Das Land soll demnach in vier territoriale Einheiten aufgeteilt werden – eine bosniakische, eine kroatische, eine serbische und eine sogenannte zentrale Einheit. Der Vorschlag hat politische Diskussionen ausgelöst und fällt in eine Phase ohnehin angespannter Verhältnisse rund um die verfassungsrechtliche Zukunft des Landes. Derzeit ist Bosnien und Herzegowina gemäß dem Dayton-Abkommen (1995 unterzeichneter Friedensvertrag, der den Bosnien-Krieg beendete) in zwei Entitäten sowie den Brcko-Distrikt gegliedert.
Vier neue Einheiten
Der Karte zufolge würde die serbische Einheit den Großteil der heutigen Republika Srpska umfassen, während die kroatische Einheit die westliche Herzegowina sowie Teile der Posavina einschließen soll. Die bosniakische Einheit erstreckt sich demnach über den Kanton Una-Sana sowie Zentral- und Ostbosnien. Als multiethnische Zone konzipiert, würde die zentrale Einheit Sarajevo und angrenzende Gebiete Mittelbosniens abdecken.
Rechtlich oder institutionell bindend ist der Vorschlag nicht – solche Karten entfalten keinerlei formale Wirkung. Sie illustrieren jedoch, welche Szenarien im politischen Diskurs über die territoriale Zukunft des Landes kursieren.
Politischer Kontext
Dass derartige Entwürfe gerade jetzt auftauchen, ist kein Zufall. Milorad Dodik hält an seinen Autonomiebestrebungen für die Republika Srpska fest, und Veröffentlichungen dieser Art fallen regelmäßig in Phasen verschärfter politischer Auseinandersetzungen – wo sie Debatten über eine mögliche Neugliederung zusätzlich befeuern können.
Für die bosnisch-kroatisch-serbische Diaspora in Österreich sind solche Entwicklungen von besonderer Bedeutung: Sie verfolgen die politischen Verhältnisse im Herkunftsland nicht nur aus der Distanz, sondern sind durch familiäre, soziale und historische Bindungen unmittelbar mit ihnen verbunden.