Ausgerechnet zum Saisonstart fehlen in Österreich hunderttausende Grippeimpfdosen und das Virus wartet nicht.
Österreich sieht sich zu Beginn der Grippesaison mit einem empfindlichen Engpass bei einem zentralen Impfstoff konfrontiert. Rund 868.000 Dosen des Grippeimpfstoffs Influvac sind nicht wie vorgesehen eingetroffen – erste größere Lieferungen werden frühestens Ende November erwartet. Das setzt das nationale Impfprogramm in einem Moment unter Druck, in dem der Bedarf besonders hoch ist.
Das Gesundheitsministerium hat auf die Situation reagiert und die Verteilung der verfügbaren Bestände nach Prioritäten geregelt. Für Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 18 Jahren stehen rund 259.000 Dosen bereit, für Personen ab 50 Jahren etwa 538.000. Weitere 100.000 Dosen für Säuglinge, Schwangere und Risikopatienten befinden sich noch im Zulauf.
Gestörte Lieferketten
Als Ursache für die Verzögerungen verweist das Ministerium auf Störungen in internationalen Produktions- und Lieferketten. Der Hersteller könne weder Liefertermine noch Mengen verbindlich zusagen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Weltgesundheitsorganisation ungewöhnlich viele Bestandteile des Impfstoffs neu festgelegt hat, was die Produktion zusätzlich verlangsamt hat. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig ließ keinen Zweifel an der Schwere der Lage: „Wir reden die Situation nicht schön: Sie ist ernst.“
Früher Saisonbeginn
Für viele Menschen bedeutet die Knappheit konkret: Wartezeiten, verschobene Impftermine und eine Phase erhöhter Unsicherheit – ausgerechnet jetzt, da das Virus bereits zirkuliert. Virologin Monika Redlberger-Fritz vom nationalen Referenzlabor der Medizinischen Universität Wien warnt vor einem ungewöhnlich frühen Saisonbeginn: „Viele Fälle sind zwar noch immer reiseassoziiert, aber eben nicht mehr alle – und das ist ungewöhnlich früh.“ In Österreich sterben jährlich rund 1.000 Menschen an den Folgen einer Grippeerkrankung.