Kein Strom, keine Wärme, kein Wasser – Russland setzt auf einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung. Doch die Ukraine hält stand.
Russland hat seine militärische Vorgehensweise in der Ukraine grundlegend verändert. Im Mittelpunkt der neuen Strategie stehen gezielte Angriffe auf die zivile Infrastruktur – allen voran die Energie- und Wärmeversorgung in Städten wie Kiew, Charkiw und Odessa. Das Kalkül dahinter: Die Zivilbevölkerung soll zermürbt, der Wille zum Widerstand gebrochen und der Krieg noch vor dem kommenden Frühjahr zu Russlands Gunsten entschieden werden.
Auf dem Schlachtfeld hingegen kommt Moskau kaum noch voran. Seit März 2026 registriert das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) so gut wie keine nennenswerten russischen Geländegewinne mehr. Gleichzeitig belasten interne Schwierigkeiten das Land: Inflation und Treibstoffknappheit – teils eine direkte Folge ukrainischer Angriffe auf russisches Territorium – setzen der Bevölkerung zu.
Angriffe auf Infrastruktur
Eine neuerliche Mobilisierungswelle will Putin unter diesen Umständen möglichst vermeiden, da sie innenpolitisch auf breite Ablehnung stößt. Seit Ende September häufen sich russische Angriffe auf die Strom- und Wärmeversorgung der Ukraine – mit wachsenden Folgen für die Zivilbevölkerung. Am 30. September 2026 wurden bei Angriffen auf Energieanlagen rund um Kiew nach Angaben ukrainischer Behörden sieben Menschen getötet; die Attacken beschädigten ein Kraftwerk und weitere Anlagen, woraufhin in der Hauptstadt und drei angrenzenden Regionen Notstromabschaltungen angeordnet werden mussten. Wie die New York Times berichtet, sollen auch Pläne zur Zerstörung der Wasserversorgung existieren.
Begünstigt wird die Effektivität dieser Angriffe durch eine Schwachstelle in der ukrainischen Luftabwehr: Die neueren russischen Drohnenmodelle erweisen sich als deutlich schwerer abzufangen als frühere Systeme.
Ukrainischer Widerstandswille
Dennoch zeigt die ukrainische Gesellschaft bislang keine Zeichen des Zusammenbrechens. Laut einer Erhebung des Internationalen Instituts für Soziologie in Kiew sprechen sich 77 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer dafür aus, den militärischen Widerstand fortzusetzen – selbst angesichts massiver Angriffe auf die Infrastruktur.