Ein Schweinekopf, ein Zettel voller Hass – und am Ende ein Freispruch. Das Urteil aus Hall in Tirol sorgt für Unruhe.
Am Bezirksgericht Hall in Tirol wurde ein 27-jähriger Österreicher vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen. Er hatte einen Schweinekopf vor der Wohnungstür einer türkischstämmigen Familie platziert – begleitet von einem Zettel mit der Aufschrift „Happy Ramadan ihr Affen“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der zuständige Staatsanwalt verzichtete nach der Verhandlung auf jede Stellungnahme.
Nachbarschaftskonflikt als Motiv
Der Prozess, der am Dienstag lediglich eine Stunde dauerte – von 8.30 bis 9.30 Uhr –, war das juristische Nachspiel eines Vorfalls, der Mitte März in einem Haller Wohnhaus für erhebliche Empörung gesorgt hatte. Der Verteidiger des Angeklagten, Hansjörg Waizer, bestritt im Verfahren eine rassistische oder religiös motivierte Absicht hinter der Tat. Seiner Darstellung zufolge sei der Vorfall vielmehr das Ergebnis eines seit Jahren schwelenden Nachbarschaftskonflikts gewesen, der sich auf diese Weise entladen habe.
Bürgermeister reagierte
Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls hatte Hall in Tirols Bürgermeister Christian Margreiter reagiert und aus eigener Tasche eine Belohnung von 10.000 Euro für sachdienliche Hinweise zur Täterermittlung ausgelobt.
Vertreter der türkischstämmigen Gemeinschaft in Österreich sowie andere Minderheiten zeigen sich besorgt über die Signalwirkung, die ein solches Urteil im Hinblick auf das interkulturelle Zusammenleben und die gesellschaftliche Integration entfalten könnte.