Tausend Lichtjahre entfernt, mitten im All: Forscher stoßen auf Spuren, die Antworten auf eine der ältesten Fragen der Menschheit liefern könnten.
Ein internationales Forschungsteam hat bei jungen Sternen eine bemerkenswert breite Palette organischer Moleküle nachgewiesen.
Zu den identifizierten Verbindungen zählt unter anderem der Alkohol Methanol – ein Fund, der tiefere Einblicke in die chemischen Prozesse junger Sternsysteme ermöglicht. Die Entdeckungen entstammen dem Projekt „Compass“, das unter der Leitung der Universität Bern durchgeführt wird. Mithilfe eines in Chile stationierten Teleskops analysierte das Team die chemische Zusammensetzung im Umfeld von elf jungen Sternen. Die ersten Resultate wurden in insgesamt sieben Fachbeiträgen in der Zeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.
Methanol-Maser entdeckt
Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Sterne registrierte das Team charakteristische Radiosignale von Methanol – sogenannte Methanol-Maser – deren Auftreten bei Vorstufen sonnenähnlicher Sterne bislang nicht erwartet worden war. Darüber hinaus gelang erstmals der Nachweis einer Methanol-Variante, bei der sämtliche Wasserstoffatome durch das schwerere Isotop Deuterium ersetzt sind. Dieses Molekül wurde beim jungen Stern IRAS 4A2 in der Perseus-Molekülwolke detektiert, die sich in einer Entfernung von rund 1000 Lichtjahren zur Erde befindet.
Die gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, grundlegende Fragen zur Entstehung des Lebens besser beantworten zu können. Co-Projektleiterin Maria Drozdovskaya hob hervor, dass die Befunde darauf schließen lassen, dass Methanol-Signale bei massearmen jungen Sternen deutlich häufiger auftreten als die Wissenschaft bisher angenommen hatte.
Projekt Compass
An dem Projekt „Compass“ sind mehr als 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, Nordamerika und Asien beteiligt. Es gehört zu den vier Großvorhaben, die im Jahr 2022 für Beobachtungszeit am Alma-Teleskop in der chilenischen Atacama-Wüste ausgewählt wurden. Die Auswertung der umfangreichen Datenmenge wird nach Angaben von Drozdovskaya noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen – mit dem Ziel, das Verständnis jener Moleküle zu vertiefen, die als potenzielle Bausteine des Lebens gelten.