Džezva, Schaum und fein gemahlener Kaffee: Wer bosnischen und türkischen Kaffee für dasselbe hält, sollte auf den ersten Zubereitungsschritt schauen. Auch beim Zucker und Servieren gibt es typische Unterschiede.
Ein kleines Kännchen, eine kleine Tasse und Zeit zum Genießen: Bosnischer und türkischer Kaffee haben vieles gemeinsam. Beide werden mit sehr fein gemahlenem Kaffee ohne Filter zubereitet. Die Namen bezeichnen dabei Zubereitungstraditionen, nicht die Herkunft der Bohnen.
Eine überall verbindliche Anleitung gibt es jedoch nicht. Familien und Kaffeehäuser pflegen eigene Varianten. Die folgenden Unterschiede beschreiben deshalb typische Gewohnheiten.
Der erste Schritt entscheidet
Bei türkischem Kaffee kommen Kaffeepulver und kaltes beziehungsweise zimmerwarmes Wasser gemeinsam in die Cezve. Wer ihn gesüßt trinken möchte, gibt den Zucker bereits vor dem Erhitzen dazu. Anschließend wird die Mischung langsam erwärmt, bis sich die charakteristische Schaumhaube bildet und aufsteigt. Starkes, sprudelndes Kochen wird dabei vermieden.
Bei bosnischem Kaffee wird dagegen üblicherweise zuerst das Wasser aufgekocht. Danach wird es mit dem Kaffeepulver verbunden. Manche geben den Kaffee in das heiße Wasser, andere übergießen das Pulver in einer separaten Džezva. Anschließend wird die Mischung häufig nochmals kurz erhitzt, bis der Schaum aufsteigt.
In manchen Haushalten wird etwas heißes Wasser beiseitegestellt und später wieder hinzugefügt. Solche Varianten gehören zur Tradition und sind kein Zeichen einer falschen Zubereitung.
Die Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Bosnischer Kaffee | Türkischer Kaffee |
|---|---|---|
| Beginn | Wasser wird zuerst aufgekocht | Kaffee und kaltes oder zimmerwarmes Wasser werden gemeinsam erhitzt |
| Zucker | Häufig separat gereicht | Bei gewünschter Süße meist vor dem Erhitzen hinzugefügt |
| Servieren | Oft mit Džezva und Fildžan am Tisch | Üblicherweise bereits in kleine Tassen eingeschenkt |
Was gehört zum Gedeck?
Die Džezva, auf Türkisch Cezve, ist das kleine Kaffeekännchen mit langem Griff. Als Fildžan bezeichnet man die kleine, traditionell henkellose Tasse für bosnischen Kaffee. Die türkische Bezeichnung für die Kaffeetasse lautet Fincan.
Zum bosnischen Gedeck gehören häufig Würfelzucker oder Rahat Lokum. Ein Glas Wasser und die weiche Süßigkeit begleiten allerdings auch türkischen Kaffee. An diesen Beigaben allein lässt sich der Unterschied deshalb nicht erkennen.
Ebenso wenig ist türkischer Kaffee grundsätzlich süß: Er kann auch ganz ohne Zucker bestellt und zubereitet werden. Entscheidend ist die gewünschte Süße, nicht die Bezeichnung des Getränks.
Welcher schmeckt stärker?
Die pauschale Behauptung, türkischer Kaffee sei stärker oder bosnischer grundsätzlich milder, greift zu kurz. Kaffeemenge, Wassermenge, Röstung und Erhitzung bestimmen, wie intensiv die Tasse schmeckt. Der Name allein verrät weder die Stärke noch den Koffeingehalt.
Weil beide Varianten ungefiltert sind, bleibt feines Kaffeepulver im Getränk und setzt sich in der Tasse ab. Wer langsam trinkt, lässt den Satz am Boden zurück. Eine ähnliche Schaumhaube macht die beiden Zubereitungsarten ebenfalls nicht identisch.
Mehr als ein Rezept
Die Bedeutung des Kaffees reicht über die Zubereitung hinaus. Gäste empfangen, miteinander reden und sich Zeit nehmen gehören zu beiden Traditionen. Die türkische Kaffeekultur steht seit 2013 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Gewürdigt werden sowohl die Zubereitung als auch die gesellschaftlichen Bräuche.
Welche Handgriffe zum bosnischen Kaffee gehören, wird ebenfalls häufig innerhalb der Familie weitergegeben. Deshalb kann die Tasse bei den Großeltern anders zubereitet sein als im Kaffeehaus in Sarajevo – ohne dass eine davon ihre Tradition verliert.