Künstliche Intelligenz soll in Oberösterreich nicht nur in Forschungslabors stattfinden. Das Bundesland will KI stärker in Unternehmen, Ausbildung und sogar in Vereine bringen und sich damit langfristig als einer der führenden KI-Standorte Europas positionieren.
Unter dem Namen „WunderKInd Oberösterreich“ bündelt das Land seine Aktivitäten rund um Künstliche Intelligenz. Dahinter steckt allerdings mehr als eine Werbekampagne: Grundlage ist eine eigene KI-Exzellenzstrategie, mit der Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft stärker miteinander verbunden werden sollen.
Das erklärte Ziel ist ambitioniert: Oberösterreich will sich zu einer führenden europäischen Region für Künstliche Intelligenz entwickeln. Dabei geht es vor allem darum, Forschungsergebnisse schneller in konkrete Anwendungen und neue Geschäftsmodelle zu übersetzen.
KI soll Arbeitsplätze sichern
Gerade für das stark industriell geprägte Oberösterreich spielt die Technologie eine besondere Rolle. KI kann beispielsweise Produktionsabläufe optimieren, Maschinen effizienter steuern, große Datenmengen analysieren oder Arbeitsprozesse automatisieren.
Das Land verbindet seine KI-Strategie deshalb ausdrücklich mit wirtschaftlichen Zielen. Innovation soll zu neuer Wertschöpfung führen, bestehende Arbeitsplätze wettbewerbsfähiger machen und gleichzeitig neue Jobs entstehen lassen. Oberösterreich sieht seine Stärke dabei vor allem in der Verbindung einer starken Industrie mit Hochschulen und international anerkannter Forschung.
Drohnen, Roboter und Medizin
Wie breit die möglichen Einsatzgebiete sind, zeigen bereits mehrere Projekte aus Oberösterreich. So wird unter anderem an kleinen autonomen Drohnen gearbeitet, die sich selbstständig durch unbekannte Innenräume bewegen und Hindernissen ausweichen können.
Studierende beschäftigen sich gleichzeitig in eigenen Laboren mit Virtual und Augmented Reality sowie Robotik. Entwickelt werden Anwendungen, die später beispielsweise in Industrie, Landwirtschaft oder Tourismus eingesetzt werden könnten.
Auch im Naturschutz kommt KI zum Einsatz: Beim Forschungsprojekt „BAMBI“ werden Drohnenaufnahmen und KI-gestützte Bildanalyse kombiniert, um Wildtiere in Waldgebieten besser erfassen zu können. Ein weiteres Forschungsfeld ist Quantum Computing. In Hagenberg wird unter anderem an möglichen industriellen Anwendungen gearbeitet.
KI im Krankenhaus
Auch das Gesundheitswesen gehört zu den Bereichen, in denen Oberösterreich Potenzial sieht. Studierende der FH Oberösterreich analysieren beispielsweise klinische Abläufe und kombinieren Prozess-, Qualitäts- und Wirtschaftsdaten. Ziel ist es, Verbesserungspotenziale zu erkennen und Abläufe in Krankenhäusern effizienter zu gestalten.
Neue Chancen für Start-ups
Ein zentraler Punkt der Strategie betrifft die Frage, wie aus Forschung erfolgreiche Unternehmen entstehen können. Geplant beziehungsweise geprüft werden unter anderem Matchmaking-Plattformen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen, bessere Bedingungen für Hochschul-Spin-offs sowie ein Ausbau von Venture-Capital- und Co-Investment-Modellen.
Damit reagiert das Land auf eine Schwäche, die es selbst identifiziert hat: Forschung und Fachwissen seien vorhanden. Entscheidend sei jedoch, Innovationen schneller in marktfähige Produkte und Unternehmen zu überführen.
KI soll auch in Gemeinden und Vereine kommen
Bemerkenswert ist, dass sich die Initiative nicht ausschließlich an Forschung und Industrie richtet. Auch Gemeinden, Vereine und ehrenamtlich Tätige sollen lernen, KI im Alltag einzusetzen. Denkbar sind beispielsweise automatisch erstellte Protokolle, Unterstützung bei Texten und Bildern oder eine effizientere Kommunikation.
Dafür wurden Weiterbildungsangebote und Workshops aufgebaut. Bereits zum Zeitpunkt der Präsentation der Strategie waren nach Angaben des Landes gemeinsam mit dem OeAD 979 Workshops zum Thema Digitalisierung und KI in 170 oberösterreichischen Gemeinden mit rund 9.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt worden. Weitere Veranstaltungen waren damals bereits geplant.
Oberösterreich will KI-Hotspot werden
Dass das Land seine Ambitionen ernst nimmt, zeigt auch die Forschungslandschaft. An der Johannes Kepler Universität Linz wird im FWF Cluster of Excellence „Bilateral AI“ mit mehr als 100 Forscherinnen und Forschern an neuen Ansätzen für Künstliche Intelligenz gearbeitet. Darüber hinaus verfügt Oberösterreich mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und spezialisierten Unternehmen über ein zunehmend dichtes KI-Netzwerk.
Der Anspruch ist entsprechend groß: KI soll nicht lediglich eine neue Technologie sein, die Oberösterreich verwendet. Das Bundesland will bei ihrer Entwicklung und industriellen Anwendung selbst eine führende Rolle übernehmen.