Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Tierschutzreform

Ab morgen: Pflichttest für Tierhalter

Ab morgen: Pflichttest für Tierhalter
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Österreich macht Ernst beim Tierschutz: Wer ab Juli ein Tier halten will, muss das erst nachweislich lernen.

Ab dem 1. Juli gelten in Österreich neue Vorschriften für die Tierhaltung. Wer künftig erstmals einen Hund, ein Reptil, ein Amphibium oder bestimmte Papageienvögel halten möchte, ist verpflichtet, vorab einen Sachkundenachweis zu erbringen. Dieser setzt einen theoretischen Kurs von mindestens vier Stunden voraus, der noch vor der Anschaffung des Tieres absolviert werden muss.

Die Verpflichtung beruht auf § 13 Abs. 4 Tierschutzgesetz in der Fassung der Novelle BGBl. I Nr. 124/2024 und wird in der 2. Tierhaltungsverordnung konkretisiert.

Bei Hunden kommt eine zweistündige Praxiseinheit hinzu. Die dazugehörige Verordnung, die unter anderem die Anforderungen an die Kursinhalte und die Qualifikation der Vortragenden festlegt, liegt seit rund einer Woche vor.

Einheitliche Mindeststandards

„Mit dem Sachkundenachweis gibt es österreichweit erstmals einheitliche Mindeststandards für angehende Tierhalterinnen und -halter. Tierwohl darf nicht vom Wohnort abhängen“, betont Tierschutz-Landesrätin Beate Prettner und dankt den Mitarbeitenden des Sachgebietes Tierschutz und -kontrollen im Land Kärnten für die perfekte Umsetzung der neuen Regelung trotz lange ausständiger gesetzlicher Grundlagen.

Der Pflichtkurs soll angehenden Tierhalterinnen und Tierhaltern grundlegendes Wissen über artgerechte Haltung, Pflege, Ernährung und das Verhalten von Tieren vermitteln. „Wer die Bedürfnisse seines Tieres kennt, kann Überforderung, Fehlhaltungen und unnötiges Leid von Anfang an vermeiden“, so Prettner. Gleichzeitig werde die Sicherheit erhöht: „Sachkunde hilft, Risikosituationen früh zu erkennen und richtig zu handeln – das schützt das eigene Tier, andere Tiere und auch Menschen.“

Ein weiterer zentraler Vorteil sei die Prävention: „Tierhaltung ist keine spontane Entscheidung, sondern eine langfristige Verantwortung. Der Sachkundenachweis rückt genau diese Verantwortung klar in den Vordergrund„, erklärt die Landesrätin. Gut informierte Entscheidungen könnten Spontankäufe reduzieren und damit auch die Zahl der Tiere, die später in Tierheimen landen.

Ausnahmen & Kurse

Der Nachweis ist grundsätzlich von jeder Person zu erbringen, die offiziell als Halterin oder Halter gemeldet ist – und zwar noch vor Beginn der Tierhaltung. Allerdings sieht die Regelung in bestimmten Fällen Ausnahmen vor, wie Pia Zeiski-Böhm vom Sachgebiet Tierschutz und -kontrollen im Land Kärnten erläutert: „Nicht betroffen sind Personen, die bereits einen Hund halten und in der Heimtierdatenbank registriert haben oder innerhalb der letzten zwei Jahre einen Hund gehalten und registriert haben. Weitere Ausnahmen gelten bei einschlägigen Ausbildungen oder beruflicher Qualifikation.“

Vergleichbares gilt für Reptilien und Amphibien, sofern eine behördliche Meldung nachgewiesen werden kann. Für die Praxiseinheit, die ausschließlich bei Hunden gemeinsam mit dem Tier zu absolvieren ist, steht ein Zeitraum von zwölf Monaten zur Verfügung. „In Kärnten werden offiziell anerkannte Kurse ausschließlich über die Homepage des Landes Kärnten veröffentlicht. Die Kurskosten werden kostendeckend von den Vortragenden eingehoben“, so Zeiski-Böhm.

Der erste theoretische Kurs für Hundehalterinnen und Hundehalter findet am 11. Juli von 9 bis 13 Uhr im TIKO statt und wird kostenlos angeboten. Gestaltet wird die Veranstaltung von Verhaltenstierärztin Diana Woschnjak gemeinsam mit der tierschutzqualifizierten Hundetrainerin Daniela Ranftler.

Als Kursvortragende für Reptilien und Amphibien wird Helga Happ, Leiterin des Reptilienzoos Happ, tätig sein. „Den Sachkundenachweis sehe ich positiv, weil wir im Reptilienzoo ein Problem mit Spontankäufen haben. Jedes Jahr nehmen wir rund 400 Tiere auf, davon ca. 150 Reptilien – und diese müssen wir auch unterbringen„, so die Expertin. Sie hofft, dass die Sachkundenachweise dazu führen, dass sich nur noch jene, die ein tiefergehendes Interesse an Reptilien oder Amphibien haben, diese auch anschaffen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen