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Versorgungskrise

Blackout-Gefahr: Wiens Stromnetz im Sommer-Stresstest

Blackout-Gefahr: Wiens Stromnetz im Sommer-Stresstest
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Heiße Tage, flimmernde Leitungen – Wiens Stromnetz gerät unter Druck. Was dahintersteckt, ist komplexer als gedacht.

Immer wieder kommt es derzeit in verschiedenen Wiener Grätzeln zu kurzfristigen Stromausfällen. Die Störungen sind in der Regel binnen 90 Minuten behoben, dennoch zeigt sich: Die Netze arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze. „Im Sommer kommt es häufiger zu Stromausfällen als im Frühling oder Herbst“, bestätigt eine Sprecherin der Wiener Netze oe24. Laut Erhebungen der E-Control treten in den Monaten Juni bis August etwa doppelt so viele Stromausfälle bzw. Störungsfälle auf wie im restlichen Jahr. Allein am 24. Juli 2024 waren bei zwei Ausfällen rund 1.150 Haushalte in den Bezirken Wieden, Margareten, Mariahilf und Neubau betroffen.

Niedrige Wasserstände

Für den überregionalen Stromtransport in Österreich ist die APG (Austrian Power Grid) zuständig, die über ein Hochspannungsnetz verfügt. Die 380-Kilovolt-Leitungen wären erst bei Temperaturen von 50 Grad Celsius ernsthaft gefährdet. Aktuell bereitet APG-Chef Gerhard Christiner jedoch der ungewöhnlich niedrige Wasserstand der heimischen Gewässer Sorgen – ein Pegelstand, der normalerweise erst im August erreicht wird. Auf Nachfrage von oe24 erklärt er: „Die niedrigen Wasserstände sind schockierend.“

In Frankreich führen die geringen Wasserstände zu einer reduzierten Kühlkapazität in den Atomkraftwerken, was deren Leistung drosselt. „Der französische Atomstrom ist gleichmäßig vorhanden. Wenn er weniger wird, wirkt sich das auch auf die Preise aus“, sagt Christiner. Den günstigsten Strom gibt es zur Mittagszeit, wenn Photovoltaikanlagen ihre maximale Leistung erbringen. In diesen Stunden werden Österreichs Pumpwasserspeicher mit preisgünstigem Strom befüllt, indem Wasser in höher gelegene Becken gepumpt wird. Nachts hingegen – wenn der Strompreis teils 40 Cent pro Kilowattstunde erreicht – wird das Wasser durch Turbinen abgelassen, um daraus neuen Strom zu erzeugen.

„Zu 80 Prozent sind Einwirkungen von außen für Stromstörungen verantwortlich. Ein Bagger, der ein Erdkabel beschädigt, ein Baum oder Ast, der einen Kurzschluss auf einer Freileitung auslöst, oder ein Blitz, welcher ein elektrisches Betriebsmittel wie etwa eine Leitung oder Trafostation beschädigt“, heißt es von den Wiener Netzen.

Im städtischen Bereich ermöglichen digital steuerbare Transformatorstationen, dass bei einem Kabelausfall automatisch eine Ersatzleitung übernimmt und die Versorgung aufrechterhalten bleibt.

Rund-um-die-Uhr-Betrieb

Hitzephasen im Sommer stellen seit jeher eine Belastung für die Infrastruktur dar. „Derzeit können wir keine relevanten statistischen Abweichungen von vergleichbaren Sommertagen feststellen“, teilen die Wiener Netze mit. Die Einsatzteams sind rund um die Uhr im Dienst – sowohl zur raschen Behebung von Störungen als auch zur laufenden Überwachung und Steuerung der Lastflüsse von der Schaltwarte aus.

Sobald Unwetter prognostiziert werden, reagiert das Unternehmen vorausschauend: Die Störungsteams werden aufgestockt und zusätzliche Bereitschaftskräfte eingeteilt.

Das Ergebnis dieser Maßnahmen ist laut den Wiener Netzen eine Versorgungssicherheit von 99,99 Prozent – ein Wert, der auch in der jährlichen Störungsstatistik der E-Control ausgewiesen wird.

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KO KOSMO-Redaktion
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