Alarmierende Zahlen bei der Notrufnummer 147: Während Gespräche über Angst um fast 30 Prozent zunahmen, steigen auch Anfragen zu familiärer Gewalt und Suizidgedanken deutlich.
In diesem Jahr wandten sich etwa 40.500 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an die Notrufnummer 147. Die Anfragen betrafen hauptsächlich Auskünfte zur psychosozialen Versorgung, gefolgt von Problemen in der Familie und suizidalen Gedanken. Besonders auffällig waren die Zuwächse bei Gesprächen zum Thema Angst, die im Vergleich zum Vorjahr um 29,5 Prozent zunahmen. Auch bei körperlicher Gewalt in Familien verzeichnete die Hotline einen Anstieg von 19,2 Prozent, bei psychischer Gewalt in Familien waren es 16,9 Prozent mehr. Die Beratungen zu Suizidgedanken stiegen um 13,2 Prozent.
Das School Shooting vom 10. Juni in Graz löste bei vielen jungen Menschen Ängste aus. In den zwei Wochen nach dem Vorfall stieg die Zahl der Beratungsgespräche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 15 Prozent auf 1.824 Gespräche an. Der Amoklauf war dabei häufig Gesprächsthema. „Die Anruferinnen und Anrufer holten sich Ratschläge, wie sie am besten mit ihrer Angst umgehen können, und hatten große Sorge, dass so etwas auch an ihrer Schule passieren könnte“, so Satke. Als Reaktion darauf wurde gemeinsam mit dem Bildungsministerium die „Chateria Speciale“ ins Leben gerufen – ein spezielles Chat-Angebot für mentale Gesundheit.
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Verbesserte Stimmungslage
„Die psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen bleiben weiterhin auf einem hohen Niveau. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass sich die allgemeine Stimmung unter jungen Menschen tendenziell verbessert hat. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass es bei klassischen Teenager-Themen wie Freundschaft, Peer Group oder Liebeskummer im Vergleich zum Vorjahr mehr Beratungsanfragen gibt“, fasste Birgit Satke, die Leiterin des Beratungsteams, am Dienstag zusammen. Die Anfragen zu Liebeskummer nahmen 2025 um etwa acht Prozent zu.
Elternberatung gefragt
Auf der Plattform elternseite.at wurden rund 1.200 Videochatberatungen für Eltern und Bezugspersonen durchgeführt. Die Beratungen drehten sich vorwiegend um Erziehungsfragen, Pubertät und Alltagsherausforderungen. Auch hier war das Thema Gewalt mit einem Anstieg von über 34 Prozent stark vertreten. „Jeden zweiten Tag meldet sich bei uns ein Elternteil von einem Kind, das Mobbing-Gewalt in der Schule, psychische Gewalt oder körperliche Gewalt erlebt hat“, erklärte Satke.
Für das kommende Jahr 2026 erwartet Satke, dass psychische Belastungen und mentale Gesundheit weiterhin zentrale Themen bleiben werden.
„Wir rechnen auch damit, dass Herausforderungen im Bereich der digitalen Medien inklusive KI zunehmen werden.“