Drohnen über Kiew, ein getroffener Kindergarten – und Moskau senkt still seine Wachstumsprognosen. Der Krieg hinterlässt Spuren auf beiden Seiten.
Russland hat seine Wachstumsprognosen für die kommenden Jahre erheblich nach unten korrigiert. Wie der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak der Zeitung „Wedomosti“ mitteilte, rechnet die Regierung in Moskau für 2026 nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent – gegenüber der bisherigen Erwartung von 1,3 Prozent ein deutlicher Rückgang. Auch die Prognose für 2027 wurde von 2,8 auf 1,4 Prozent halbiert.
Für 2029 geht die Regierung von einem Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent aus. Die dem Haushaltsplan zugrunde gelegte Annahme für den Ölpreis wurde für den Zeitraum 2027 bis 2029 auf 50 Dollar gesenkt.
Angriffe nach Waffenruhe
Wenige Stunden nach dem Auslaufen einer befristeten Waffenruhe hat Russland die Ukraine nach Angaben aus Kiew erneut mit massiven Angriffen überzogen. Wie der Militärverwalter der Hauptstadt Kiew, Tymur Tkatschenko, auf Telegram schrieb, stürzten Drohnentrümmer auf das Dach eines zwanzigstöckigen Wohngebäudes in Kiew. Angaben zu Verletzten oder zum Ausmaß der Schäden lagen zunächst nicht vor.
Die ukrainische Luftwaffe meldete in der Nacht Drohnenangriffe auf Kiew sowie auf weitere Städte, darunter Saporischschja, Dnipro, Charkiw und Cherson. Auch die Oblast Sumy im Norden und die Oblast Mykolajiw im Süden waren demnach betroffen. Die seit Samstag geltende Waffenruhe war in der Nacht zu Ende gegangen.
In der Oblast Kiew wurde ein Kindergarten getroffen. Die dreitägige Feuerpause war auf Initiative von US-Präsident Donald Trump zustande gekommen, der Kremlchef Wladimir Putin und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vergangene Woche darum gebeten hatte. Beide Seiten verzichteten während dieser Zeit weitgehend auf Luftangriffe, warfen einander jedoch vor, die Vereinbarung am Boden vielfach gebrochen zu haben.
Putins Kalkül
Anlass für die Einigung war der russische Feiertag zum Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Putin wollte eine ungestörte Militärparade in Moskau sicherstellen, während die ukrainische Seite die Gelegenheit nutzen wollte, um eine längere Waffenruhe durchzusetzen. Eine vergleichbare Konstellation hatte sich bereits rund einen Monat zuvor anlässlich des orthodoxen Osterfestes ergeben.
Nach Angriffen auf die Oblast Dnipropetrowsk ist mindestens ein Todesopfer zu beklagen. Selenskyj hatte sich bereits vor Ablauf der Waffenruhe auf eine Eskalation eingestellt: „Wir sehen auch, dass Russland nicht die Absicht hat, diesen Krieg zu beenden“, sagte er in einer abendlichen Videobotschaft. „Wir bereiten uns auf neue Angriffe vor, leider.“