Griechenland galt jahrelang als Sorgenkind Europas – doch nun übernimmt ein anderes Land diese Rolle.
Laut übereinstimmenden Prognosen der italienischen Regierung und des Internationalen Währungsfonds dürfte Italien bis Ende 2026 die höchste Schuldenquote aller Eurozone-Mitglieder aufweisen und damit Griechenland von dieser unrühmlichen Position verdrängen. Dem italienischen Wirtschafts- und Finanzplan (DFP) zufolge wird die Staatsverschuldung des Landes im Jahr 2026 auf 138,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsen, nachdem sie 2025 noch bei 137,1 Prozent gelegen haben wird. Der jüngste Konjunkturausblick des IWF kommt zu einem nahezu identischen Ergebnis: Für Italien werden 138,4 Prozent des BIP erwartet, für Griechenland hingegen lediglich 136,9 Prozent.
Griechenlands Schuldenabbau
Griechenlands staatliche Schuldenverwaltungsbehörde Public Debt Management Agency rechnet für das Land, das einst als Epizentrum der europäischen Schuldenkrise galt, mit einem deutlichen Rückgang der Schuldenquote – von 146,1 Prozent im Jahr 2025 auf 136,8 Prozent im Folgejahr. Der italienische Wirtschaftswissenschaftler Giampaolo Galli hat in einem Beitrag des Beobachtungszentrums für italienische Staatsfinanzen auf die bemerkenswerte Dimension dieser Entwicklung hingewiesen: Im Jahr 2020 habe Griechenlands Schuldenquote noch bei 210 Prozent des BIP gelegen, woraufhin das Land einen „sehr schnellen Anpassungsprozess“ durchlaufen habe. Der Primärsaldo habe sich zwischen 2020 und 2025 um zwölf Prozentpunkte verbessert – von einem Defizit von mehr als sieben Prozent des BIP hin zu einem Überschuss von fünf Prozent. Hinzu komme ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 7,7 Prozent in den Jahren 2021 bis 2025 nach der Covid-Pandemie.
Zweifel an Melonis Plan
An den Plänen der römischen Regierung zum Abbau der enormen Staatsverschuldung hat die italienische Budgetaufsicht zuletzt erhebliche Zweifel angemeldet. Die Vorsitzende des Gremiums, Lilia Cavallari, erklärte vor Abgeordneten, der angekündigte Schuldenabbau ab 2027 könnte geringer ausfallen als geplant. Als wesentliches Risiko nannte sie dabei die steigenden Energiekosten infolge des Nahost-Konflikts.
Der Haushaltsplan der rechten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sieht vor, dass die Schuldenquote zunächst von 137,1 Prozent im Jahr 2025 auf 138,6 Prozent im Jahr 2026 ansteigt, um anschließend bis 2029 schrittweise auf 136,3 Prozent zurückzugehen.