Ein gefälschtes Bild, Tausende Klicks – und eine Premierministerin, die zurückschlägt. Meloni macht den Vorfall zur Warnung.
Ein KI-generiertes Foto der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni in Unterwäsche verbreitete sich in den vergangenen Tagen rasant im Netz. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer teilten das Bild, ohne zu erkennen, dass es sich um eine Deepfake-Aufnahme handelt. Meloni selbst kommentierte den Vorfall mit einer Mischung aus Ironie und scharfer Kritik: Das Bild zeige sie schöner, als sie in Wirklichkeit sei.
„In den vergangenen Tagen kursieren mehrere gefälschte Bilder von mir, die mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurden und die einige meiner eifrigsten Gegner als echt darstellen“, schrieb Meloni auf Facebook. „Ich muss zugeben, dass derjenige, der sie erstellt hat, mein Äußeres sogar ziemlich vorteilhaft dargestellt hat. Aber Tatsache ist: Die Menschen sind offenbar bereit, absolut alles einzusetzen, um anzugreifen und Unwahrheiten zu verbreiten.“ In ihrem Beitrag teilte Meloni das fragliche Bild selbst – es zeigt sie in Unterwäsche auf einem Bett sitzend.
Das Foto löste rasch heftige Reaktionen aus, weil viele Nutzerinnen und Nutzer es für authentisch hielten. „Dass eine Premierministerin in einem solchen Zustand dargestellt wird, ist wirklich beschämend – unwürdig des Amtes, das sie bekleidet“, kommentierte ein Nutzer. Meloni verurteilte den Vorfall als Form von Cyber-Mobbing und warnte vor den wachsenden Risiken, die KI-generierte Aufnahmen für Einzelpersonen und die Gesellschaft darstellen.
Melonis Warnung
„Deepfake ist ein gefährliches Werkzeug – es kann täuschen, manipulieren und jeden zum Ziel machen. Ich kann mich wehren, viele andere können das nicht. Deshalb sollte immer eine Regel gelten: Erst prüfen, dann glauben – und nachdenken, bevor man teilt. Denn heute trifft es mich, morgen kann es jeden treffen“, betonte die Premierministerin.
Der Kampf gegen die Risiken von KI und Deepfakes hat sich zu einem zentralen Anliegen ihrer Regierung entwickelt. Im vergangenen September verabschiedete Italien als erstes EU-Land ein umfassendes Gesetz zur Regulierung künstlicher Intelligenz. Es sieht Haftstrafen für jene vor, die diese Technologie zur Schädigung anderer einsetzen – einschließlich der Erstellung von Deepfakes – und enthält zudem Zugangsbeschränkungen für Minderjährige.
Skandal um Plattform
Vorausgegangen war ein Skandal um eine pornografische Website, die manipulierte Fotos prominenter italienischer Frauen veröffentlicht hatte – darunter Meloni selbst sowie Oppositionsführerin Elly Schlein. Auf einer Plattform mit mehr als 700.000 Abonnenten wurden Bilder geteilt, die von sozialen Medien oder öffentlichen Auftritten stammten und mit vulgären, sexistischen Beschriftungen versehen worden waren. Viele der Aufnahmen zeigten Politikerinnen verschiedener Parteien, deren Körper manipuliert oder in provokative Posen gesetzt worden waren.
Die italienische Polizei ordnete die Sperrung der Seite an, Staatsanwälte in Rom leiteten Ermittlungen ein – unter anderem wegen des Verdachts auf unerlaubte Verbreitung sexuell expliziter Inhalte, Verleumdung und Erpressung.