Insolvenzen, Proteste, verlorene Partner – und dann doch ein Neuanfang. Eine Fabrik in Tuzla trotzt dem Trend.
Während in Bosnien und Herzegowina immer mehr Unternehmen zusperren, schreibt eine Fabrik aus Tuzla eine andere Geschichte: TTU Energetik, Hersteller von Transportausrüstung, gilt als seltenes Positivbeispiel für industrielle Erholung in einem Land, das wirtschaftlich unter Druck steht. Dabei war der Weg dorthin alles andere als geradlinig – das Unternehmen durchlief eine tiefe Krise, die von Insolvenz und Arbeiterprotesten geprägt war. Den Wendepunkt brachte die Übernahme durch den Energieversorger Elektroprivreda BiH und das Bergwerk Banovići, die gemeinsam die Grundlage für einen Neustart legten.
Heute zählt TTU Energetik 107 Beschäftigte und investiert gezielt in die Modernisierung seiner Produktionsanlagen – darunter die Anschaffung neuer CNC-Maschinen. Finanzdirektorin Suhreta Zunic sieht darin einen entscheidenden Schritt für die künftige Marktstellung des Unternehmens. „Sobald die Beschaffung der neuen Ausrüstung abgeschlossen ist, werden wir in der Lage sein, auf regionalen Märkten und in Europa wettbewerbsfähig aufzutreten. Es ist ein anspruchsvoller Prozess – aber wir sind bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen“, so Zunic.
Schwieriger Neuanfang
Mit dem Abschluss der Investitionen, der noch vor Jahresende erwartet wird, soll auch das Exportvolumen steigen – und TTU Energetik seine Stellung als relevanter Akteur im bosnisch-herzegowinischen Maschinenbau weiter ausbauen. Darüber berichtete der öffentlich-rechtliche Sender BHRT.
Leicht war der Weg bis hierher nicht. Das Unternehmen bekam die Folgen gleich zweier industrieller Einschnitte zu spüren: die Schließung der Kokerei in Lukavac und des Stahlwerks in Zenica – beides langjährige Partner und wichtige Glieder in der industriellen Wertschöpfungskette. Trotz dieser Rückschläge arbeitet TTU Energetik konsequent an seiner Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Markt, setzt auf die Gewinnung junger Fachkräfte – und verzeichnet zunehmend auch die Rückkehr früherer Mitarbeiter aus dem Ausland.
Junge Fachkräfte
Unter den mehr als hundert Beschäftigten findet sich heute eine beachtliche Zahl junger Menschen. Einer von ihnen ist Hajrudin Vrbic, der seit zwei Jahren als CNC-Bediener tätig ist. „Das ist mein erster Job nach der Berufsschule. Als ich in die Produktion kam, hat mir die Arbeit sofort gefallen. Von den erfahrenen Kollegen habe ich enorm viel gelernt – und diesen Beruf wirklich lieben gelernt“, erzählt er.
Ähnliches berichtet Almin Sinanovic, der seit drei Jahren an der Horizontalbohrmaschine arbeitet: „Ich würde jedem jungen Menschen aus der Metallbranche – aber auch allen, die einfach lernen wollen – empfehlen, zu TTU Energetik zu kommen. Hier erwirbt man echtes, fundiertes Wissen im Maschinenbau.“
Generaldirektor Mirza Tufekcic beschreibt den personellen Wandel, den das Unternehmen in den vergangenen Jahren durchgemacht hat. „In den letzten drei bis vier Jahren sind mehr als 70 Mitarbeiter in Pension gegangen. Gleichzeitig haben wir neue, überwiegend junge Kräfte eingestellt, die die grundlegenden Abläufe erlernt haben und nun an CNC-Maschinen arbeiten. Und in den vergangenen Monaten kehren auch Mitarbeiter aus Slowenien und Deutschland zu uns zurück“, sagt Tufekcic.