In Kroatien und Montenegro fehlen vor der Sommersaison über 55.000 Arbeitskräfte im Gastgewerbe. Die Nachfrage nach Personal aus Serbien steigt.
In den Monaten vor dem Beginn der Sommersaison stehen Kroatien und Montenegro vor einer erheblichen Herausforderung: Es fehlen mehr als 55.000 Arbeitskräfte. Kroatische Experten und Gewerkschaften prognostizieren einen Mangel von 55.000 bis 65.000 Saisonarbeitskräften im Tourismus und Gastgewerbe in Kroatien. Montenegro sieht sich mit einer ähnlichen Situation konfrontiert, da die Wirtschaftskammer schätzt, dass rund 20.000 Saisonarbeiter benötigt werden. Eine Untersuchung von Infostud, einer serbischen Jobplattform, bestätigt diese Zahlen.
Besonders in der montenegrinischen Stadt Budva sind mindestens 8.000 Saisonkräfte im Tourismus und Gastgewerbe erforderlich, wie der Verband der Gastronomen mitteilt. Der serbische Arbeitsmarkt ist ebenfalls von einem Mangel an Arbeitskräften in niedrigqualifizierten Berufen betroffen, was Saisonjobs in den Nachbarländern für serbische Arbeitskräfte zunehmend attraktiv macht, berichtet Infostud.
Um den Bedarf zu decken, suchen Arbeitgeber in Kroatien und Montenegro aktiv nach Personal aus Serbien. Die Nachfrage ist im Gastgewerbe besonders hoch: Kellner werden mit Gehältern zwischen 1.000 und 1.500 Euro gesucht, Barkeeper können 1.100 bis 1.600 Euro verdienen, und Rezeptionisten erhalten zwischen 1.000 und 1.400 Euro. Konditoren sind ebenfalls gefragt und verdienen zwischen 1.200 und 1.600 Euro.
In der Küche sind Köche besonders gefragt, mit Gehältern zwischen 1.800 und 2.500 Euro, während Küchenchefs bis zu 3.000 Euro verdienen können. Grillmeister können mit 1.400 bis 1.900 Euro rechnen, und Pizzabäcker verdienen zwischen 1.900 und 2.500 Euro. Hilfsköche und Küchenhilfen verdienen zwischen 1.400 und 1.800 Euro bzw. 900 und 1.400 Euro.
Hohe Nachfrage im Hotelgewerbe
Im Hotelgewerbe gibt es eine erhebliche Nachfrage nach Zimmermädchen und Zimmerjungen mit Gehältern von 900 bis 1.400 Euro. Hotel-Fotografen können abhängig von Erfahrung und Aufträgen zwischen 1.000 und 3.000 Euro verdienen. Infostud erklärt, dass diese Positionen derzeit am gefragtesten sind und die Gehaltshöhe von Erfahrung und Fähigkeiten abhängt. Saisonjobs im Tourismus bieten nicht nur ein solides Einkommen, sondern viele Arbeitgeber bieten auch Unterkunft und Verpflegung an, was die Lebenshaltungskosten der Beschäftigten senkt.
Die Plattform zeigt, dass die meisten Bewerbungen für Positionen wie Rezeptionisten, Zimmermädchen und Küchenhilfen eingehen, während es weniger Bewerber für qualifizierte Positionen wie Konditoren, Grillmeister, Pizzabäcker und Köche gibt. Dies unterstreicht das wachsende Problem des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften im Gastgewerbe und Hotelgewerbe in der Region.
Ranka Savic, Präsidentin der Assoziation der freien und unabhängigen Gewerkschaften (ASNS), hebt im Gespräch mit Biznis.rs hervor, dass die Gehälter im serbischen Gastgewerbe auf Mindestlohnniveau liegen. Ein weiteres Problem sei, dass junge Menschen über Jugend- und Studentenvereinigungen beschäftigt werden. „Der Gastgewerbesektor in Serbien hat bereits jetzt mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen, und dies wird in Zukunft noch gravierender, besonders angesichts der Nachfrage in den Nachbarländern. Junge Menschen arbeiten oft nur ein bis zwei Monate in diesen Berufen“, sagt Savic.
Savic betont, dass Hotels derzeit halbleer sind, was den Arbeitskräftemangel kaschiert. Sobald die Touristensaison beginnt, wird jedoch ein großes Problem erwartet. Sie kritisiert die niedrigen Gehälter im Gastgewerbe in Serbien, trotz Belgrads Status als beliebtes Reiseziel. Die Gehaltsdisproportion zwischen höheren und niedrigeren Positionen sei groß. Junge Menschen sehen diese Jobs oft als vorübergehend, um Taschengeld zu verdienen. „Unsere Politik ist es, weniger zu zahlen, um den Gewinn zu maximieren“, fügt Savic hinzu und vergleicht die Situation mit dem Einzelhandel, wo ebenfalls Arbeitskräftemangel herrscht, aber keine Gehaltserhöhungen stattfinden, da der Profit im Vordergrund steht.