Sozialleistungsbetrug in Österreich auf Rekordhoch – Fälle reichen von Langzeit-Auslandsaufenthalten bis Mehrfachvermietungen
Österreich verzeichnet 2024 so viele Anzeigen wegen Sozialleistungsbetrugs wie noch nie zuvor. Mit 4.865 gemeldeten Fällen wurde der bisherige Höchststand erreicht – ein Anstieg um rund 9,1 Prozent im Vergleich zu 2023 (4.457 Fälle).
Laut Innenministerium ist dieser Zuwachs nicht nur auf ein stärkeres Bewusstsein in Bevölkerung und Behörden zurückzuführen, sondern auch auf eine engere Zusammenarbeit von Polizei, AMS, Sozialämtern, Finanz- und Fremdenbehörden.
Wien bleibt Betrugsschwerpunkt
Die meisten Anzeigen kamen aus Wien (2.626), gefolgt von Steiermark (515), Niederösterreich (508) und Oberösterreich (432). Am wenigsten Fälle gab es im Burgenland (102).
In allen Bundesländern wurden 2024 gezielte Schwerpunktaktionen durchgeführt – etwa in der Grundversorgung oder bei Kontrollen am Flughafen Wien-Schwechat – oft in Kooperation mit dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, Finanzpolizei, Zoll und Landespolizeidirektionen.
Betrugsmethoden
Die Taskforce Sozialleistungsbetrug deckte seit ihrer Gründung über 25.000 Tatverdächtige auf, erstattete mehr als 23.600 Anzeigen und dokumentierte einen Gesamtschaden von 135,7 Millionen Euro.
Das Spektrum reicht vom Verschweigen von Auslandsaufenthalten über falsche Angaben zum Aufenthaltsstatus bis hin zu nicht gemeldeten Nebeneinkommen. Die Schadenssumme beinhaltet auch Beträge, die durch rechtzeitiges Einschreiten verhindert werden konnten.
Luxusleben mit Sozialleistungen
In Wien steht eine Österreicherin im Verdacht, zwischen Juli 2018 und Jänner 2024 unrechtmäßig Arbeitslosengeld, Notstandshilfe und Mindestsicherung in 71 Fällen bezogen zu haben.
Die Ermittlungen ergaben, dass sie regelmäßig für zwei bis drei Monate nach Jamaika reiste, ohne die gesetzlich vorgeschriebene Meldung an die zuständigen Stellen.
Zusätzlich vermietete sie ihre Wohnung während der Abwesenheit mehrfach über Online-Plattformen – zeitweise an bis zu 16 Personen gleichzeitig. Neben den Mieten kassierte sie Kautionen in Höhe von zwei Bruttomonatsmieten. Der Schaden: 42.000 Euro.
Auslandsaufenthalte trotz Invaliditätspension
In Vorarlberg wird ein türkischer Staatsbürger mit österreichischem Aufenthaltstitel beschuldigt, von August 2013 bis November 2024 unrechtmäßig Leistungen der Pensionsversicherungsanstalt bezogen zu haben.
Der Mann erhielt seit 2012 eine Invaliditätspension samt Ausgleichszulage, ab 2013 zusätzlich Pflegegeld.
Reisedokumente belegten, dass er sich mehrfach über längere Zeit im Ausland aufhielt, ohne dies zu melden. Gesamtschaden: 18.500 Euro.