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Fehldiagnose

Baby mit Schädelbruch heimgeschickt – Vater erhebt schwere Vorwürfe

Baby mit Schädelbruch heimgeschickt – Vater erhebt schwere Vorwürfe
(istockfoto: Ärzte)
3 Min. Lesezeit |

Ein Sturz vom Bett, eine übersehene Diagnose und verzweifelte Eltern: Der Fall des kleinen Julian wirft Fragen zur medizinischen Erstversorgung auf.

Nach einem Mittagsschlaf am 31. Jänner stürzte der kleine Julian vom Bett, als seine Mutter kurz den Raum verließ. „Meine Frau ging fürs Wickeln nur kurz raus, in dem Moment fiel er aus dem Bett“, schildert Vater Andreas (32) im Gespräch. Der Aufprall des Kindes auf dem Fliesenboden veranlasste die besorgten Eltern zu einer sofortigen Fahrt ins Landesklinikum Baden-Mödling. Dort diagnostizierten die Mediziner lediglich eine Kopfprellung und entließen den Säugling nach einer neurologischen Untersuchung ohne weitere Bildgebung.

„Es waren drei Ärzte da, ich habe darum gebeten, dass ein Ultraschall gemacht wird. Es hat nur geheißen, dass es auf der Kinderstation kein Ultraschallgerät gibt und es auch nicht notwendig sei„, berichtet der Vater verärgert.

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Schädelbruch entdeckt

Die anhaltende Schwellung am Kopf des Kindes beunruhigte die Familie jedoch weiterhin. Am Montagabend suchten sie das Universitätsklinikum Wiener Neustadt auf, wo die Ärzte einen 0,12 Zentimeter großen Schädelbruch feststellten. Es folgten umgehend eine stationäre Aufnahme und umfassende Untersuchungen mittels Ultraschall, CT und neurologischen Tests.

Zur medizinischen Vorgehensweise äußert sich die Ärztliche Direktorin des Landesklinikums Baden-Mödling, Claudia Herbst: „Medizinische Entscheidungen werden stets auf Basis des jeweils aktuellen klinischen Zustands getroffen. Unser oberstes Ziel ist und bleibt jederzeit die bestmögliche, sichere und verantwortungsvolle medizinische Versorgung aller Patientinnen und Patienten.“

Widersprüchliche Darstellungen

Die niederösterreichische Landesgesundheitsagentur nimmt zum Vorfall detailliert Stellung: „Nach dem Sturz aus dem Bett wurde das Kind in der Kinderambulanz des Landesklinikums Baden-Mödling ärztlich untersucht. Zum Zeitpunkt der Untersuchung zeigte das Kind einen unauffälligen klinisch-neurologischen Zustand, weshalb keine weitere bildgebende Diagnostik durchgeführt wurde. Die am Kopf bestehende Schwellung wurde fachärztlich als Hämatom beurteilt.“

Die Eltern wurden laut Landesgesundheitsagentur darüber aufgeklärt, dass eine solche Schwellung auch über einen längeren Zeitraum bestehen kann und bei neuen Symptomen jederzeit die Kinderambulanz aufgesucht werden könne.

Der 32-jährige Vater widerspricht dieser Darstellung entschieden: „Meine Frau ist fix und fertig. Im Mödlinger Spital geben die Ärzte keinen Fehler zu, aber wir bekommen jetzt eine Anzeige wegen Körperverletzung am eigenen Sohn!“ Die Erklärungen der Landesgesundheitsagentur kann er nicht nachvollziehen: „Es stimmt, dass mein Sohn auch eine Verkühlung hatte. Die stationäre Aufnahme und die ganzen Untersuchungen erfolgten aber wegen der Kopfverletzung. Dass wir überhaupt das Spital in Wiener Neustadt aufsuchen sollen, hat uns niemand mit auf den Weg gegeben.“

Im Universitätsklinikum Wiener Neustadt fühlte sich die Familie gut aufgehoben. Am Wochenende konnten die behandelnden Ärzte erste positive Signale geben – der kleine Patient durfte am 7. Februar die Klinik verlassen.

Seine Genesung schreitet voran, ein Nachsorgetermin steht noch aus.